Sport : Ein Neuer ist nicht genug

Schalkes Torwart stemmt sich allein gegen Manchester – doch nach dem 0:2 bleibt kaum Hoffnung aufs Finale

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Das Bollwerk bricht. Manuel Neuer zeigte etliche Glanzparaden – doch beim Schuss zum 0:1 von Ryan Giggs war er machtlos. Foto: Fishing4
Das Bollwerk bricht. Manuel Neuer zeigte etliche Glanzparaden – doch beim Schuss zum 0:1 von Ryan Giggs war er machtlos. Foto:...Foto: Fishing4

Nach zwanzig Minuten hatte Manuel Neuer den Mexikaner Javier Hernandez genau da, wo er ihn haben wollte. Dem Stürmer von Manchester United schlotterten beim Anblick des schwarzen Mannes im Tor des FC Schalke 04 die Knie. Hernandez stand zum wiederholten Mal frei vor Neuer, doch anstatt den Abschluss zu suchen, entschied er sich für einen Pass in die Mitte. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt im Halbfinal-Hinspiel der Champions League hatte der Schalker Torhüter die Engländer offenbar so sehr beeindruckt, dass sie die direkte Konfrontation mit ihm scheuten. Neuer hielt auch in der Folge alle haltbaren und unhaltbaren Bälle. Bis zur 67. Minute. Dann stand Ryan Giggs erneut allein vorm Schalker Tor – und überwand Neuer mit einem Beinschuss. Und keine zwei Minuten darauf erzielte Wayne Rooney das 2:0. Der doppelte Tiefschlag bereitete den Schalker Träumen vom Finale in Wembley ein jähes Ende. Nach 90 Minuten hieß es 2:0 (0:0) für den Tabellenführer der Premier League.

„Wir waren klar unterlegen und haben nie Zugriff auf das Spiel gekriegt“, sagte ein enttäuschter Christoph Metzelder. Im Bezug auf das Rückspiel sagte Schalkes Verteidiger pflichtgemäß: „Hoffnung muss man im Sport immer haben, wir werden in Manchester alles versuchen.“

Je näher die K.-o.-Spiele der Champions League dem Finale kommen, desto mehr werden sie in der Regel von der Taktik geprägt. Vor allem die Hinspiele erweisen sich oft als auffallend langweilig, weil es meist nur darum geht, sich eine erträgliche Ausgangsposition für das Rückspiel zu erarbeiten. Die Begegnung in der Arena Auf Schalke hingegen nahm von Beginn an ordentlich Fahrt auf. Schon nach 29 Sekunden kam Alexander Baumjohann aus gut 20 Metern zum ersten Torschuss, mit dem Torhüter Edwin van der Sar jedoch wenig Mühe hatte. Wenn Manchesters Auftritt gestern Abend von einer taktischen Überlegung geprägt war, dann allein von der, sich schon im Hinspiel einen derart komfortablen Vorsprung herauszuspielen, dass die Mannschaft am kommenden Mittwoch in Old Trafford einen gemütlichen Abend verbringen kann. Die Engländer kamen zu Chancen en masse. Die beiden besten hatte Giggs. Zunächst parierte Neuer seinen Kopfball gegen die Laufrichtung mit einem fantastischen Reflex, unmittelbar vor der Pause scheiterte er – wie schon einige seiner Kollegen vor ihm – im direkten Duell mit dem deutschen Nationaltorhüter.

Spätestens nach einer halben Stunde dämmerte den Fans in der Schalker Arena, dass ihre Mannschaft das Spiel allenfalls durch einen Lucky Punch würde gewinnen können. Der Favorit aus Manchester spielte mit Wucht, unterband jegliche Offensivbemühungen der Schalker schon in ihrer Entstehung und schaltete seinerseits immer wieder so schnell um, dass die Gastgeber in der Defensive von einer Verlegenheit in die nächste taumelten.

Allein Neuer hatten es die Schalker zu verdanken, dass sie zumindest der Theorie nach weiterhin im Spiel waren. Auch Manchester United wurde in der Vergangenheit ein latentes Interesse an Deutschlands Nationaltorhüter nachgesagt. Angeblich hat das nie bestanden. Doch das könnte sich gestern Abend geändert haben. Gleich nach der Pause vereitelte Neuer die nächste Großchance der Engländer. Nach einem Freistoß von Giggs lenkte der den Kopfball von Michael Carrick über die Latte.

Schalkes Trainer Ralf Rangnick reagierte bereits kurz nach Beginn der zweiten Hälfte, brachte Peer Kluge für den offensiveren Baumjohann, um seiner Mannschaft etwas mehr defensive Stabilität zu verpassen. Tatsächlich schien der Außenseiter die Angelegenheit nun etwas besser unter Kontrolle zu bekommen, in der Defensive ließen sie den Engländern aber weiterhin zu viel Platz. Das war bei Giggs Führungstreffer genauso wie nur zwei Minuten später beim 2:0 durch Wayne Rooney. Manuel Neuer, das nur fürs Protokoll, war in beiden Fällen chancenlos.

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