Sport : Ein "neuer Okocha" für Eintracht Frankfurt?

Andreas Hoenig

Die Frankfurter Zeitungen feiern ihn bereits als "neuen Okocha". Auf solche Hymnen reagiert Rolf-Christel Guie-Mien zurückhaltend: "Ich muss noch hart arbeiten", sagt der Mittelfeldspieler, der im Sommer vom Zweitligisten Karlsruher SC zum Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt gekommen ist. Auch Eintracht-Trainer Jörg Berger warnt davor, den Kongolesen zu früh hochzujubeln: "Guie-Mien muss langsam aufgebaut werden."

In den Vorbereitungsspielen, vor allem beim 2:1-Sieg über Meister Bayern München, deutete der 21-Jährige aber bereits sein großes technisches und spielerisches Können an. Guie-Mien hat ein gutes Auge für seine Nebenleute, ist kopfballstark und torgefährlich. Berger lobt zudem seine enge Ballführung, seine Beweglichkeit und seine Zweikampfstärke. "Er hat sein ganzes Potenzial aber noch nicht ausgeschöpft."

Neben Bachirou Salou und Horst Heldt zählt der junge Mann aus dem Kongo zu den neuen Hoffnungsträgern der Hessen. Bei den Autogrammjägern steht seine Unterschrift bereits hoch im Kurs. Zusammen mit dem vom TSV München 1860 gekommenen Heldt soll Rolf-Christel Guie-Mien im offensiven Mittelfeld die Lücke schließen, die Bernd Schneider (zu Bayer Leverkusen) und Thomas Sobotzik (1. FC Kaiserslautern) in Frankfurt hinterlassen haben. Der Kongolese soll die Gegner verzaubern und den Eintracht-Stürmern Bachirou Salou und Jan-Aage Fjörtoft die Tore auflegen.

"Spieler dieser Art werden in Frankfurt immer geliebt", sagt Berger mit Blick auf die in Frankfurt unvergessenen Ballkünstler Augustine Okocha und Anthony Yeboah. Das Frankfurter Publikum hat den Ex-Karlsruher bereits ins Herz geschlossen - nicht zuletzt wegen seines spektakulären Saltos, mit dem er sein Kopfballtor im Test gegen den FC Bayern München feierte. "Den Salto habe ich schon als Kind gelernt", erzählt Guie-Mien, der bei der Eintracht einen Vertrag bis zum Jahr 2003 hat. Den Vornamen Rolf hat er, weil sein Vater einen deutschen Film mit einem Schauspieler namens Rolf sah. Der Zusatzname Christel ist in seiner Heimat durchaus üblich.

Fünf Millionen Mark mussten die Frankfurter für Guie-Mien nach Karlsruhe überweisen. Viel Geld für einen 21-Jährigen, der bislang lediglich zehn Bundesligaspiele absolviert und ein Tor erzielt hat. Berger ist sich aber sicher: "Die Investition lohnt sich." Wer in der Zweien Liga bestehe, "hat auch das Zeug dazu, sich in der Bundesliga durchzusetzen." Berger weiß aber, wie sensibel der Afrikaner ist. "Ein Spieler wie er ist nur so stark, wie ihn das Umfeld macht." Wichtig sei vor allem, dass die Mannschaft hinter ihm stehe. Nach den Eindrücken der Vorbereitungsspiele sagt Berger: "Die Mannschaft akzeptiert ihn."

Für den Coach ist Guie-Mien kein Unbekannter. Zu gemeinsamen KSC- Zeiten gab er dem damals 19-Jährigen in der Rückrunde der Saison 1997/98 erstmals die Chance, sich in der Bundesliga zu beweisen. Der Mittelfeldspieler machte mit guten Spielen auf sich aufmerksam, konnte aber den Abstieg der Badener nicht verhindern.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben