Sport : Ein neues Auto für Fahrer 1b

Vincenzo Delle Donne

Wenn man den Ausführungen von Rubens Barrichello lauscht, die er mit einem aufgesetztem Lächeln auf den Lippen macht, drängt sich unwillkürlich die Frage auf: Woher nimmt der Brasilianer bloß seinen unerschütterlichen Optimismus? In den ersten drei Rennen der diesjährigen Formel-1-Weltmeisterschaft hat er noch keinen einzigen WM-Punkt für die Scuderia Ferrari nach Hause gefahren. Barrichello lacht. "Ich bin sehr gelassen und sicher, dass ich in in Imola ein gutes Rennen fahren werde", sagt der Brasilianer.

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Auch Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo wird nicht müde, seinen Bruchpiloten mit Streicheleinheiten zu versorgen. So geschehen beim Großen Preis von Brasilien in Sao Paulo, wo sich Barrichello vor zwei Woche vor heimischer Kulisse anderen Teams empfehlen wollte. Daraus wurde mal wieder nichts. Nach der 16. Runde war Schluss für ihn. Barrichello verweist bei solchen Gelegenheiten gern und oft darauf, dass ihn sein Team immer noch mit altem, nicht konkurrenzfähigem Material auf die Piste schickt. Das erste Exemplar des neuen Wunder-Boliden aus dem Hause Ferrari, der F 2002, ist immer noch einzig und allein für Michael Schumacher reserviert.

Eigentlich nichts Neues im Hause Ferrari.

In Brasilien war "Rubinho" mit dem Vorjahresauto gleichwohl zunächst ein grandioses Rennen gefahren. Mit einer Zweistoppstrategie war er vom achten Startplatz an die Spitze gefahren und hatte dabei sogar den ungeliebten Kollegen Michael Schumacher überholt. Dann kam das Aus. Der Motor, in der vergangenen Saison noch so zuverlässig, ließ ihn plötzlich und aus zunächst unerfindlichen Gründen im Stich. Für Rubens Barrichello war es der dritte Ausfall im dritten Rennen. Diesmal lag es an einem Problem mit der Hydraulik, wie Ferraris Techniker später diagnostizierten. Und wieder einmal fragte sich Rubens Barrichello, warum denn solche Probleme immer nur ihn und nie den Kollegen Schumacher treffen würden.

Aber das ist eine lange Geschichte. Fahrer "1b", wie Ferrari-Präsident Montezemolo Barrichello nach seiner Verpflichtung 1999 bezeichnete, hatte immer gute Arbeit abgeliefert. Und Luca di Montezemolo musste wie nach jedem unglücklichen Rennen des Brasilianers intervenieren, damit Barrichello seinen Frust nicht öffentlich machte.

Das ständige Murren hat Wirkung gezeigt. In Imola, beim ersten Grand Prix auf italienischem Terrain, darf Barrichello endlich das neue Auto fahren. Im Freien Training kam er am Freitag immerhin auf Platz zwei - hinter Schumacher natürlich.

Vorwürfe, er störe die Harmonie im Team, lässt Barrichello nicht gelten. "Ich fühle, dass ich das Mögliche für das Team geleistet habe", erzählt er zum wiederholten Mal.

Während ihm diese Äußerung so selbstsicher über die Lippen geht, schwärmen die Ferraristi bereits von seinem Nachfolger: Juan Pablo Montoya. Vorsichtshalber hat Ferrari eine mögliche Verpflichtung des hitzköpfigen Kolumbianers schon mal dementiert - wohl auch, um keine unnötige Unordnung ins fragile Teamgefüge zu bringen.

Barrichello bringen die Wechselgerüchte scheinbar nicht aus der Fassung. Artig und angriffslustig zugleich erzählt er, "dass ich es kaum erwarten kann, endlich ein Rennen im neuen Wagen zu fahren". Und es klingt beinahe so, als sei die Fahrt am Sonntag im F 2002 schon seine letzte Chance bei Ferrari.

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