Sport : Ein neues Fax, ein neuer Name

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Von Jörg Wenig

Berlin. Bei Reuters wird mehr aufgehoben, als mancher denkt. Und so fand sich nun im Archiv des Berliner Büros auch das Istaf-Fax, das am 11. April bei der Nachrichtenagentur eingegangen war. Das in Englisch abgefasste Fax, das keine Unterschrift trug, vermeldete verfrüht den Bankrott der Istaf GmbH. Es beinhaltete zudem Interna, die nur einigen wenigen Insidern des Leichtathletik-Meetings bekannt gewesen sein dürften. Das Fax sorgte an jenem 11. April für einen Skandal, weil es drei Tage vor der Entscheidung über den Ausrichter der Weltmeisterschaften 2005 zum Welt-Leichtathletikverband IAAF geschickt worden war. Die Fälschung dürfte das Scheitern Berlins entscheidend beeinflusst haben.

„Dieses Fax war definitiv schadend für die Bewerbung. Wer auch immer das Fax abgeschickt hat, sollte dafür zur Verantwortung gezogen werden“, sagte IAAF-Pressesprecher Nick Davies, der noch einmal bestätigte, dass Berlin der deutlich stärkste Kandidat war: „Berlin hatte keine Schwächen.“ Bis das Fax auftauchte. Das Fax an Reuters, dessen Text inklusive Tippfehler genau dem Fax an die IAAF entspricht, birgt trotzdem eine Überraschung. Darunter steht als Ansprechpartner nämlich nicht nur der des bisherigen Istaf-Geschäftsführers Jürgen Demmel sondern auch der von Stéphane Franke. Die Fax-Kennung zeigt an, dass das Fax um 15:02 Uhr vom Istaf-Büro geschickt wurde.

Elf Minuten später ging das Fax an die IAAF aus dem Istaf-Büro heraus – nun war der Name Franke plötzlich gelöscht. Beide Faxe liegen dem Tagesspiegel vor. Von dritter Seite wurde inzwischen auch bestätigt, dass Jürgen Demmel und die Istaf-Sekretärin Antje Lange bereits um 14 Uhr bei einem Termin der Istaf-Gesellschafter in Berlin-Mitte waren. Der Termin soll einige Zeit gedauert haben. Das Istaf-Büro liegt an der Glockenturmstraße. Franke dementierte gestern erneut, etwas mit den Istaf-Faxen zu tun zu haben. „Ich habe davon gehört, dass unter dem Fax an Reuters mein Name stehen soll. Und deswegen habe ich ebenfalls Strafanzeige gestellt", sagte Franke. „Schlüssel zur Geschäftsstelle kann man auch nachmachen.“ Jürgen Demmel hatte ebenso wie der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) bereits vor vier Wochen Anzeige erstattet.

Vor kurzem hatte der Berliner Leichtathletik-Verband (BLV) unter der Überschrift „Der Verfasser des gefälschten ISTAF-Faxes muss gefunden werden“ eine Pressemitteilung herausgegeben. Das BLV-Präsidium empört besonders, dass „durch verschiedenste Spekulationen und zum Teil bösartige Unterstellungen Namen von Personen ins Spiel gebracht wurden, die Verdienste um die Berliner Leichtathletik haben und durch diese Spekulationen und Verleumdungen bewusst beschädigt werden sollten". Als Höhepunkt der Verdächtigungen tauchte in einer Berliner Zeitung sogar der Name des Berlin-Marathon-Organisators Horst Milde auf. Dabei hatte Milde die Berliner WM-Bewerbung tatkräftig unterstützt. Pikanterweise war es Milde, der vor einem Jahr seinen Marathon-Athletenmanager Stéphane Franke nach Differenzen vor die Tür gesetzt hatte.

Der BLV hat alle Personen, die Zugang zur Istaf-Geschäftsstelle haben, aufgefordert, eidesstattlich zu erklären, dass sie das Fax nicht verfasst haben. Da bisher noch nicht viel passiert ist, wird BLV-Präsident Christoph Kopp wohl auch Anzeige erstatten.

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