Sport : Ein neues Weltwunder

Für Otto Rehhagel geht es mit Griechenland um alles

Torsten Haselbauer

Athen - Wenn sich Otto Rehhagel in einer Pressekonferenz mehr als zehn Minuten Zeit nimmt, muss Wichtiges anstehen. Und das ist: das vielleicht vorentscheidende WM-Qualifikationsspiel in Dänemark. „Es ist das wohl wichtigste Spiel der WM-Qualifikation. Und das werden wir mit einem Sieg hinter uns bringen“, erklärte Rehhagel. Dabei weiß der 67-jährige Essener, dass die Lage im Kampf um Platz zwei hinter der bereits qualifizierten Ukraine ernst ist. Nur ein Sieg hilft dem Europameister weiter. Folgt vier Tage später im heimischen Karaiskaki-Stadion ein Erfolg gegen Außenseiter Georgien, haben die Griechen den zweiten Platz in ihrer Gruppe erreicht. Die Konkurrenten, die Türkei und Dänemark, müssen auf einen Ausrutscher des Europameisters hoffen. Rehhagel ist optimistisch, dass es dazu nicht kommt.

Die griechische Öffentlichkeit aber ist skeptisch. Für die Sporttageszeitung „Fos ton Spor“ grenzt ein Erfolg in Kopenhagen „an ein achtes Weltwunder“. Der Europameistertitel scheint die Griechen gehemmt zu haben. Seit fünfzehn Monaten gelang der „Ethniki“ kaum ein überzeugendes Match. 623 Spielminuten blieb das Team zwischenzeitlich ohne Tor. Das schlechte Abschneiden beim Confed-Cup in Deutschland verunsicherte zusätzlich. Eine Trainerdebatte aber ist (noch) nicht zu vernehmen. Am Denkmal „Rehakles“ wird, zumindest bis Samstag, nicht gerüttelt.

Rehhagels Optimismus basiert vor allem auf der Rückkehr von Traianos Dellas. Der Abwehrspieler, der sich bei der EM 2004 den Beinamen „Koloss von Rhodos“ erarbeitete, steht nach zwei Rückenoperationen überraschend im Aufgebot. Sein Wechsel von AS Rom zu AEK Athen scheint seine Genesung beflügelt zu haben. „Selbst wenn er nicht von Beginn an aufläuft, ist er als Persönlichkeit wichtig“, sagte Rehhagel. Sein letztes Länderspiel bestritt Dellas übrigens im Februar – im Hinspiel gegen Dänemark. Die Griechen gewannen damals 2:1 und zeigten eine Halbzeit lang richtig guten Fußball. Lang ist es her.

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