Sport : Ein New Yorker aus der Schweiz

Roger Federer hat wieder seine alte Form gefunden und entwickelt bei den US Open Heimatgefühle

Petra Philippsen[New York]

Wetterprognosen bergen nicht selten einen Unsicherheitsfaktor, doch an manchen Tagen gibt es eben keine Zweifel. Dass am frühen Samstagnachmittag der Tropensturm „Hanna“ über New York und die Tennisanlage in Flushing Meadows ziehen würde, war unausweichlich. Der Himmel zog sich bereits bedrohlich zu, als Roger Federer seine Halbfinal-Partie mit 6:3, 5:7, 7:5 und 6:2 gegen den Serben Novak Djokovic beendete, doch als der Regen um 14.45 Uhr Ortszeit schließlich niederprasselte, saß der Schweizer Titelverteidiger bereits im Trockenen.

Seinen beiden möglichen Finalgegnern Rafael Nadal und dessen Gegenüber Andrew Murray war das Lachen dagegen vergangen, denn ihr Match musste beim Stand von 6:2, 7:5 und 2:3 aus Sicht des Briten unterbrochen werden. Die Veranstalter hatten sich zu spät durchgerungen, die zweite Halbfinalpartie vor Ende des Federer-Matches beginnen zu lassen. Als Nadal und Murray das Louis-Armstrong-Stadium betraten, hatte der Schweizer schon 90 Minuten gespielt.

Nadal und Murray konnten ihr Halbfinale erst gestern Nachmittag (Ortszeit) fortsetzen (nach Redaktionsschluss beendet). Währenddessen hatte Federer den gesamten Tag Zeit, um sich für das Finale zu erholen, das erst heute ausgetragen wird. Nötig scheint der 27-Jährige das jedoch kaum zu haben. „Ich hätte auch locker fünf Sätze spielen können“, sagte er. Sein Gegner Djokovic wirkte nach 17 Stunden Spielzeit im Turnierverlauf hingegen ausgelaugt, doch das allein war nicht der Grund für die Niederlage des Vorjahresfinalisten. Federer spielte phasenweise wie zu seinen besten Zeiten. 20 Asse und 51 Winner gelangen ihm, oft ging bei Punkten mit seiner einhändigen Rückhand ein Raunen durch das Arthur-Ashe-Stadium. „Es fühlte sich für mich wieder so an, wie ich normalerweise auf Hartcourt spiele“, sagte Federer nach seinem 33. Seriensieg in New York. Er kann nun als erster Spieler überhaupt seinen fünften Titel in Folge bei den US Open gewinnen. Welchen Finalgegner er dabei bevorzugen würde? „Ich bevorzuge die Trophäe“, sagte Federer. „Ich will diesen Titel unbedingt. Dann wäre ich zurück im Rennen, und es wäre nicht mehr alles so schlecht, wie jetzt alle sagen.“

Zwölf Grand-Slam-Titel hat Federer bereits; dass ihm in dieser Saison noch kein weiterer gelang, brachte dem inzwischen Weltranglistenzweiten viel Kritik ein. Doch die besondere Unterstützung des amerikanischen Publikums verhalf ihm in schwierigen Partien mit zum Sieg. Bei den Frauen war diese Gunst der Fans Serena Williams (USA) sicher, die in der Nacht zum Montag ihr Finale gegen Jelena Jankovic aus Serbien bestritt.

Federer spielt heute auch fast mit Heimvorteil, denn er sagt: „Ich fühle mich ein bisschen wie ein New Yorker.“

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