Sport : Ein Phantom namens Graf

Experten rätseln, wie der Deutsche Tennis Bund die German Open finanzieren will

Frank Bachner

Berlin. Bestimmt hat Eberhard Wensky Stoßgebete zum Himmel geschickt. Steffi Graf hat ja vor wenigen Tagen ihr zweites Kind geboren, das heißt, im Mai 2004 ist die intensivste Pflegezeit vorbei, und der frühere Tennis-Star hätte mehr Zeit für andere Dinge. Für Wensky ist Steffi Graf nämlich die Hoffnung schlechthin, seit Jahren versucht der Turnierdirektor der German Open die vielmalige Wimbledon-Siegerin als PR-Zugpferd nach Berlin zu locken. Und 2004 ist das wohl dringender nötig als je zuvor. Das größte Damen-Tennis-Turnier Deutschlands findet zwar statt, und der Deutsche Tennis Bund (DTB) übernimmt als Veranstalter nun erstmals auch die gesamte Vermarktung, die große Frage allerdings ist, ob das Turnier als finanzielles Debakel endet.

Knackpunkt ist das Fernsehen. Wenn ARD oder das ZDF übertragen, kommen hochkarätige Sponsoren. Wenn nicht, bleiben sie weg. Die ARD hat sich zurückgezogen, nun könnte Steffi Graf helfen. „Wenn sie einen Schaukampf bestreitet, könnte es sein, dass die ARD dieses Spiel überträgt“, sagt Jochen Sprentzel, der Sportchef des RBB Berlin. Nur: Dass Graf wirklich kommt, glauben höchstens große Optimisten.

Wahrscheinlich bleibt Steffi Graf ein Phantom. Sollte sie doch auftauchen, dann liefe – wenn überhaupt – höchstens ihr Schaukampf bundesweit im Fernsehen, aber nicht das ganze Turnier, und damit bliebe das größte Problem bestehen. „Wir haben eine Ware, die derzeit kaum einer sehen möchte“, sagt Christian Pirzer, Chef von IMG Deutschland. IMG hat bislang Sponsoren aquiriert für das Turnier. Jetzt, sagt Pirzer, sei er auf eigenen Wunsch ausgestiegen. „Die German Open lassen sich nicht zufriedenstellend vermarkten.“ Schon 2003 betrug der Verlust rund 400 000 Euro. „Und 2004 werden diese 400 000 Euro das Mindeste an Verlust sein“, sagt der Marketing-Experte.

Mit einem einmaligen Verlust könnte Pirzer ja noch leben, „aber es gibt kein Licht am Ende des Tunnels“. Der Titelsponsor Mastercard, der rund 50 Prozent des Etats finanzierte, ist ausgestiegen, andere Sponsoren deuteten an, sie wollten nur weitermachen, wenn Mastercard weiter das Turnier unterstütze. Nun ist Mastercard weg, und keiner weiß, wie der DTB dieses Turnier bezahlen will. „Es ist mir schleierhaft, wie man einen 2,8-Millionen-Euro-Etat finanzieren will“, sagt Pirzer. Vor allem, weil alle Sponsorenverträge in diesem Jahr ausgelaufen sind.

Die Finanzierung? Relativ einfach. „Zwei Millionen Euro haben wir mehr oder weniger garantiert“, sagt Georg Körner, der Geschäftsführer der DTB-Holding, die das Turnier letztlich veranstaltet. Eintrittsgelder, Vip-Logen, Zuwendungen des Welt-Frauenverbands WTA, Sponsoren-Gelder, so rechnet Körner. Garantiert? Die Sponsoreneinnahmen basieren auf dem Prinzip Hoffnung, muss Körner dann doch zugeben. Titelsponsor? Keiner. Andere Sponsoren? Fehlanzeige. „Aber wir müssen erst Ende Dezember alles perfekt haben“, sagt Körner. Und die übrigen 800 000 Euro „müssen wir irgendwie zusammen bekommen“.

Verluste übernehmen halt die reichen Landesverbände. So argumentiert Körner. „Die 18 Landesverbände sind 50-Prozent-Gesellschafter der Holding, die wollten mehrheitlich, dass wir das Turnier ausrichten, also kann man erwarten, dass die notfalls für die Verluste gerade stehen“, sagt Körner. Die restlichen 50 Prozent hält der Deutsche Tennis-Bund. Dass die WTA ihre Preisgelder (1,224 Millionen Euro) reduziert, wie DTB-Chef Georg von Waldenfels hofft, kann der sich allerdings abschminken. Jedenfalls nach Ansicht von Pirzer. „Das gelang bisher nicht, das wird auch 2004 nicht klappen.“

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