Sport : Ein Platz unter den ersten drei

Der FC Bayern München kriselt schon vor der Saison – und ist ungewöhnlich bescheiden geworden

Daniel Pontzen

Wer hat das Sagen im Verein? Die Aufgaben sind klar aufgeteilt: Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ist verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit, die Koordination innerhalb des Vorstandes und die Vertretung der AG in den nationalen und internationalen Gremien, in denen der FC Bayern seine Interessen wahren will. Uli Hoeneß, Manager und Stellvertretender Vorsitzender, ist für die Profimannschaft, das Junior-Team und die zahlreichen Sponsoren zuständig.

Was hat sich verbessert? Optimisten bemühen sich, den Verlust Michael Ballacks vor allem als Chance zu begreifen: Das Spiel werde jetzt nicht mehr so berechenbar sein. Angesichts des ebenfalls abgewanderten Zé Roberto werden junge Spieler wie Bastian Schweinsteiger oder Julio dos Santos mehr Einsatzzeit bekommen. Lukas Podolski erhöht den Variantenreichtum in der Offensive. Einen echten Qualitätszugewinn erhoffen sich die Bayern vor allem von Daniel van Buyten, der die im letzten Jahr recht dünne Personaldecke in der Abwehr stärkt und gleich Führungsaufgaben übernehmen soll.

Wie sicher ist der Job des Trainers? Im Winter, nach Bayerns erfolgreichstem Bundesliga-Kalenderjahr aller Zeiten, schien eine langfristige Zusammenarbeit mit Felix Magath sicher. Die jüngst fixierte Vertragsverlängerung um nur ein Jahr (bis 2008) lässt sich dementsprechend kaum als Vertrauensbeweis erster Klasse interpretieren. Das erneute frühe Ausscheiden in der Champions League hat Magath einiges an Kredit gekostet.

Welche Taktik ist zu erwarten? Während der Vorbereitung ließ Magath seine Elf meist wie gewohnt mit Viererabwehrkette, Mittelfeldraute und zwei Stürmern agieren. Die (Ballack-)Position hinter den Spitzen gilt nach wie vor als vakant.

Welche Platzierung ist möglich? Man müsse die Erwartungshaltung senken, forderte die Klubführung, ein Platz unter den ersten drei sei als Erfolg zu werten. Was vor einem Jahr noch absurd geklungen hätte, erscheint derzeit ziemlich realistisch: Das Team hat prominente Abgänge zu verkraften, und durch die Vielzahl der Spätheimkehrer ist es stärker durch die WM gehandicapt als die Wettbewerber. Vieles hängt davon ab, wie schnell sich in der „Experimentierphase“ (Magath) ein Konstrukt herausbildet, das Konturen einer Einheit und eine neue Hierarchie erkennen lässt.

Wer sind die Stars? Ruud van Nistelrooy wäre der große Star gewesen, kommt aber nicht. Auch Franck Ribéry wird wohl nicht beim FC Bayern landen. Gute Chancen hat nun Philipp Lahm.

Wie sind die Fans? Siegesgewohnt. Möglicherweise bekommen sie in diesem Jahr mehr Gelegenheit als in den vergangenen Spielzeiten, ihre Mannschaft auch in schwierigeren Situationen zu unterstützen.

Wer ist der WM-Held? Nur wenige Akteure waren nicht bei der WM. Gespannt sein darf die Liga vor allem auf das klinsmannsche Junior-Triumvirat Lahm/Podolski/Schweinsteiger, dessen Mitglieder in den Stand nationaler Helden aufstiegen. Wenngleich nicht im sportlichen Sinne, hat auch der Torwart seinen Ruhm bei der WM gemehrt: Nun muss Oliver Kahn, zuletzt eine Mischung aus Elder Statesman und Herbergsvater, wieder Bälle halten, Woche für Woche, auf höchstem Niveau.

Die gesamte Serie im Internet:

www.tagesspiegel.de/bundesliga

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