Sport : Ein Präsident darf nicht fallen

Der Wettskandal hält Theo Zwanziger in Atem

Robert Ide

Berlin - Als Theo Zwanziger den Saal betritt, stolpert er. Eine Stufe ist ihm im Weg am Freitagmorgen im Berliner Hotel Adlon, doch der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) kann sich noch fangen. „Ich bin gestürzt, aber nicht gefallen“, sagt Zwanziger. Ob sein Verband sich wieder fängt, ist derzeit offen.

Eigentlich soll es an diesem Morgen um die Silbermünzen und die Sonderbriefmarken gehen, die Finanzminister Hans Eichel für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und die Sporthilfe aufgelegt hat (siehe Seite 21). Doch als die Dankesworte verklungen sind, dessen Vielzahl selbst Innenminister Otto Schily amüsiert – „Es ist alles gesagt, aber noch nicht von allen“ –, gibt es wieder nur ein Thema: den Schiedsrichter-Skandal.

„Das Gebot der Stunde heißt: schnell aufräumen“, ruft Schily den Funktionären zu. „Bis zum Konföderationen-Pokal muss für Klarheit gesorgt sein.“ Das Turnier, das als Generalprobe für die WM fungieren soll, beginnt in 123 Tagen.

Als der Minister sich verabschiedet hat und die Ehrengäste das Buffet begutachten, muss Zwanziger weitere Auskünfte geben über manipulierte Fußballspiele und mühsame Aufklärungsversuche. Freimütig räumt er ein, dass es bei der Zusammenarbeit mit dem staatlichen Wettanbieter Oddset „eine ganze Reihe von Pannen“ gegeben habe. „Aber wir sind da nicht im Streit.“ Ärger mit dem offiziellen Sponsor der WM will sich der organisierte Fußball nicht einhandeln. Das Turnier beginnt in 482 Tagen.

Für den unübersichtlichen Markt der Sportwetten fordert Theo Zwanziger von den Bundesländern einen „ordnungsrechtlichen Rahmen“. Schon seit Wochen dringt die DFB-Spitze darauf, dass die privaten Wettanbieter in gesetzliche Grenzen gewiesen werden. Konkrete Ergebnisse dieser Bemühungen kann Zwanziger allerdings noch nicht vorweisen. „Ich bin ja nicht der Papst, sondern nur der DFB-Präsident.“ Ein besseres Amt gebe es im Übrigen nicht, sagt er.

Bevor er zurück nach Frankfurt am Main fliegt, um mit dem Hamburger SV die Entschädigung für das manipulierte Pokalspiel in Paderborn auszuhandeln, hat der Amtsträger noch Zeit für ein paar Worte zum persönlichen Befinden. Die Frage, wie es ihm gehe, könne er nicht mehr hören, sagt Zwanziger. Seinen Humor hat der stolpernde Präsident immerhin nicht verloren. Auf die Frage, ob sein Sturz in Wahrheit eine Schwalbe im Strafraum gewesen sei, kontert Zwanziger: „Haben Sie einen Schiedsrichter-Pfiff gehört?“

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