Sport : Ein Präsident fällt zurück

Gerhard Mayer-Vorfelder muss mit ansehen, wie sich Theo Zwanziger profiliert

Robert Ide

Berlin - Gerhard Mayer-Vorfelder hat schon bessere Tage erlebt. „Er ist etwas missmutig“, witzeln sie in der Führung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) über ihren Präsidenten. Denn das Krisenmanagement im Manipulationsskandal leistet Theo Zwanziger, der andere DFB-Präsident.

Eine Niederlage musste Mayer-Vorfelder am Wochenende hinnehmen. Da bildete der DFB eine Arbeitsgruppe, die anstelle des Präsidiums schnelle Entscheidungen bei der Aufklärung des Skandals treffen soll. Neben Theo Zwanziger sind dort Liga-Präsident Werner Hackmann, Schatzmeister Heinrich Schmidhuber und Generalsekretär Horst R. Schmidt vertreten. Mayer-Vorfelder ist nicht dabei. „Die Schiedsrichter fallen eben in den Aufgabenbereich von Herrn Zwanziger“, sagt Hackmann.

Als im Sommer der Verband die Doppelspitze installierte, rangen beide Führungsfiguren intern um Kompetenzen. Schließlich wurde Zwanziger als zuständig erklärt für die Amateur- und Landesverbände, Mayer-Vorfelder als federführend für die Nationalmannschaft und die internationalen Kontakte. Theo Zwanziger wurde danach als halber Präsident verspottet; Bundestrainer Jürgen Klinsmann sagte, sein Ansprechpartner sei Mayer-Vorfelder. Nun aber steht nicht der altgediente Präsident im Blickpunkt, sondern der neue. „In so einer Ad-hoc-Gruppe müssen Leute sitzen, die immer erreichbar sind“, sagt Schmidhuber über die Rollenverteilung. „Herr Mayer-Vorfelder hat viele Termine außerhalb von Deutschland.“

Der Rückhalt im Verband für Zwanziger ist in den vergangenen Wochen gewachsen. „Ich bin froh, dass wir ihn haben“, sagt DFB-Vizepräsident Engelbert Nelle. Die neue Arbeitsgruppe besteht vorrangig aus Personen, die auf Zwanzigers Seite stehen. Der treueste ist wohl Schmidhuber, der im Oktober vergangenen Jahres auf Drängen des neuen Präsidenten zum Schatzmeister gewählt wurde. Schmidt arbeitet im Organisationskomitee für die Weltmeisterschaft 2006 eng mit Zwanziger zusammen. Auch Hackmann, der sich bislang öffentlich auf keine Seite gestellt hat, kennt Zwanziger gut. Beide handelten vor fünf Jahren den Grundlagenvertrag zwischen Bundesliga und Dachverband aus.

Dem Strippenzieher Mayer-Vorfelder kommt dagegen seine Hausmacht langsam abhanden. Zuletzt verursachte er Ärger, als er in einer Talkshow missverständliche Äußerungen über die Rolle des staatlichen Wettanbieters Oddset abgab. Das führte zum Streit zwischen dem DFB und dem WM-Sponsor. „Darüber waren wenige glücklich“, sagt einer aus dem Führungszirkel. Zwanziger dagegen machte Punkte, als er mit dem Hamburger SV eine Entschädigung für das manipulierte Pokalspiel in Paderborn aushandelte und damit den DFB vor einer Klagewelle von anderen möglicherweise benachteiligten Vereinen bewahrte.

„Es fällt ihm eben nicht leicht, sich zurückzunehmen“, sagt Zwanziger über seinen Kollegen. „Aber kommunizieren sollte immer der, der am nächsten an einer Sache dran ist.“ Einen lautstarken Krach zwischen beiden Präsidenten will auf Nachfrage bislang kein Präsidiumsmitglied gehört haben. In der DFB-Führung sind sich ohnehin viele sicher, dass Mayer-Vorfelder nicht zum Rückzug vor der WM im eigenen Land zu bewegen ist – deshalb fordert niemand den 71 Jahre alten Funktionär dazu auf.

Mit kleinen Niederlagen muss Gerhard Mayer-Vorfelder allerdings leben lernen. Zuletzt informierte sich der Präsident des Weltverbandes Fifa, Joseph S. Blatter, bei Theo Zwanziger telefonisch über den Skandal und die Aufklärung. Zuvor hatte er stets das Gespräch mit Gerhard Mayer-Vorfelder bevorzugt.

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