Sport : Ein Problemchen packt seine Sachen

Der Eklat um Diego trübt Wolfsburgs Freude über den Klassenerhalt

 Christian Otto[Wolfsburg]
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Was sich niedlich anhörte, war eine herbe Botschaft des strengen Trainers. „Diese kleinen Problemchen“, sagte Felix Magath und meinte seinen streikenden Spielmacher Diego, „verschiebe ich auf später. Ich werde mich damit im Urlaub nicht belasten.“ Als die Profis des VfL Wolfsburg, dessen Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga durch einen 3:1-Erfolg bei der TSG Hoffenheim aus eigener Kraft gelang, am Sonntagmittag in die Sommerpause verabschiedet wurden, ging das Theater um ihren bockigen Kollegen in die nächste Runde und überlagerte einen Großteil der Freude. Weil Magath ihn zunächst auf die Bank setzen wollte, hatte Diego den Dienst verweigert und war spurlos verschwunden. Dass er am gestrigen Abschlusstraining wieder teilnahm, änderte nichts daran, dass ihm eine Abmahnung sowie eine Geldstraße in unbekannter Höhe auferlegt werden.

Die Spieler einer Mannschaft, deren Teamgeist eine gesamte Saison lang vermisst worden war, hatten in Hoffenheim eine Energieleistung gezeigt, die die beste aller möglichen Antworten auf Diegos Verweigerung war. „Sein Verhalten ist nicht zu entschuldigen und nicht zu akzeptieren“, sagte Kapitän Marcel Schäfer. Der erfahrene Magath musste zugeben, dass selbst er einen Eklat wie den von Diego noch nicht erlebt habe. „Als ich im Mannschaftshotel an die Tafel geschrieben habe, dass er nicht von Beginn an spielt, hat er seine Sachen gepackt und ist gegangen“, berichtete der Wolfsburger Boss. Magath möchte es Juristen überlassen, wie man mit einem Großverdiener umgeht, der den VfL Wolfsburg immerhin rund 16 Millionen Euro Ablöse gekostet und der sein Ego wiederholt wichtiger als die Ziele der Mannschaft genommen hat. „Unser Team hat auf den Vorfall gut reagiert. Vielleicht hat uns das auch noch enger zusammengeschweißt“, fand Sascha Riether.

Wie man sich für eine in Not geratene Mannschaft richtig engagiert, hatte erneut Mario Mandzukic vorgemacht. Der Kroate war mit acht Treffern während der letzten neun Spiele der Retter seines Teams. Bezeichnend für den Zustand der Mannschaft war aber auch, dass Stürmer Grafite bei seinem 3:1 vom Kollegen Riether angeschossen wurde und dabei nur im Weg herumgestanden hatte.

Mit dem gestrigen Verteilen der Urlaubspläne hat Magath ein neues Kapitel mit Wolfsburg aufgeschlagen. „Dramatischer hätte die Saison nicht enden können. Ich bin erleichtert und leer. Aber in den kommenden Jahren möchte ich mit dem VfL weiter oben spielen“, sagte der 57-Jährige. Nachdem Diego gestern überraschend zum üblichen Auslaufen erschienen war, ließ er sich wenig einsichtig zitieren. „Es ist mein Problem, unser Problem. Wir müssen uns zusammensetzen und es lösen. Ich habe einen Vertrag in Wolfsburg“, meinte der Brasilianer. Magath hatte in seinem ersten Ärger am Samstag gesagt: „Ich freue mich auf die neue Saison in der Ersten Liga – mit oder ohne Diego.“ Gestern baute er seinem Sorgenkind eine kleine Brücke zurück und meinte: „Wenn jemand einen Fehler macht, interessiert mich das nicht. Ich bin bereit, mit jedem zusammenzuarbeiten. Aber es muss erkennbar sein, dass derjenige meinen Weg mitgeht.“

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