Sport : Ein Punkt fehlt noch

Deutschland bei Hockey-WM vor Halbfinaleinzug

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Kurz nach Beginn des Spiels erschien auf der Videowand des Mönchengladbacher Hockey-Parks eine unmoralische Bitte an Christopher Zeller. Ein Fan hatte eine SMS geschickt: „Chrissi Zeller“, war da zu lesen, „bitte schenk mir deinen Voodoo Paradox.“ Wer weiß, vielleicht hat Zellers begehrter Schläger ja magische Kräfte; vielleicht sind es aber auch seine Hände. Manchmal muss man den Dingen gar nicht auf den Grund gehen. Egal woran es liegt, Tatsache ist, dass Christopher Zeller im Moment fast trifft, wie er will. Auch gestern wieder, beim 5:0 (2:0) der deutschen Nationalmannschaft gegen Südafrika. Schon in der vierten Minute brachte der Münchner sein Team vor gut 9000 Zuschauern in Führung, als er seinen Schläger in einen Schlag von Abwehrchef Philipp Crone hielt. „Ich musste den Ball nur kurz berühren“, sagte Zeller. Selbst die kompliziertesten Schläge erscheinen ihm im Moment kinderleicht.

Mit seinen sechs Toren in vier Spielen hat Zeller großen Anteil daran, dass die deutsche Mannschaft gute Chancen hat, das Halbfinale der WM zu erreichen. Im abschließenden Gruppenspiel heute gegen Südkorea (16.20 Uhr, live im WDR) reicht ihr ein Unentschieden. In diesem Fall wäre der große Favorit Holland, der gestern bereits sein letztes Gruppenspiel bestritten hat, aus dem Rennen um den Titel. Bundestrainer Bernhard Peters wurde nach dem Sieg gegen Südafrika von einem holländischen Journalisten auf die Furcht seiner Landsleute angesprochen, dass sich Deutsche und Südkoreaner auf ein Unentschieden einigen könnten. „Ich verstehe die Holländer“, antwortete Peters.

Das Nachbarland wittert eine Verschwörung, doch Peters bemühte sich, die Sorgen der Holländer zu zerstreuen. Er und die Mannschaft wollten auch noch das fünfte Spiel gewinnen. Christopher Zeller sagte: „Auf Unentschieden zu spielen ist viel zu gefährlich.“ In der deutschen Mannschaft stehen noch vier Spieler, die dies schon einmal sehr schmerzhaft erfahren haben. Bei den Olympischen Spielen 2000 brauchten die Deutschen im letzten Gruppenspiel ebenfalls nur noch einen Punkt, um ins Halbfinale einzuziehen. Sie verloren jedoch 1:2 gegen Großbritannien, und Nutznießer dieser Niederlage waren – die Holländer, die am Ende Olympiasieger wurden.

Mit etwas mehr Entschiedenheit hätten die Deutschen ihre Ausgangsposition gestern sogar noch komfortabler gestalten können. „Wir haben es verpasst, mehr Tore zu schießen“, sagte Zeller. Peters kritisierte „Phasen, wo wir durchgeatmet haben, nicht nah genug dran waren“. In der ersten Halbzeit vergaben die Deutschen vier gute Chancen, zweimal scheiterte Matthias Witthaus, der schon in den ersten drei WM-Spielen nicht getroffen hatte. „Er ist ein Künstlertyp, der immer abhängig ist von Torerfolgen“, sagte Bundestrainer Peters. Was bisher wie eine Drohung klang, lässt nun hoffen für den Rest des Turniers, denn drei Minuten vor der Pause erzielte der Krefelder seinen ersten WM-Treffer, einen künstlerisch wertvollen. Witthaus schüttelte zuerst seinen Gegenspieler ab, dann umspielte er auch noch den Torhüter.

In den letzten Minuten des Spiels gelang Witthaus sogar noch ein Tor, zudem leitete er das 3:0 durch Oliver Hentschel ein, den letzten Treffer erzielte Sebastian Biederlack. „Es ist wichtig, dass auch die anderen Stürmer getroffen haben“, sagte Christopher Zeller. Er weiß, wovon er spricht. Mit Treffen kennt er sich aus.

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