Sport : Ein Punkt mit Pfiff

Hertha BSC gleicht einen 0:1-Rückstand in Hannover aus, profitiert dann aber von einer Fehlentscheidung

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Anreger. Pierre-Michel Lasogga bejubelt sein Tor zum 1:1 mit den Hertha-Fans. Foto: dpa
Anreger. Pierre-Michel Lasogga bejubelt sein Tor zum 1:1 mit den Hertha-Fans. Foto: dpaFoto: dpa

Sie hatten sich zu früh gefreut. Als die Fans von Hannover 96 in ihrer gut gefüllten Arena schon den neuen Tabellenführer der Fußball-Bundesliga feierten, wurde Pierre-Michel Lasogga zum Spaßverderber. In der Vorwoche, beim 2:2 von Hertha BSC in Hamburg, war der 19 Jahre alte Stürmer von Trainer Markus Babbel noch zum Zuschauer degradiert worden. Gestern nun durfte er nach seiner Einwechslung eine halbe Stunde spielen und erzielte gleich einen Treffer mit Wirkung: Sieben Minuten vor Ende der Partie sicherte Lasogga mit seinem Tor Hertha den zweiten Punkt im dritten Punktspiel, mit Glück kamen die Berliner in Hannover zu einem 1:1 (0:1).

Der Berliner Punktgewinn war glücklich, weil das Comeback von Lasogga nicht der einzige Aufreger war in einem mittelmäßigen Spiel. Kurz vor Schluss verwehrte Schiedsrichter Robert Hartmann den Hannoveranern das 2:1. Dabei hätte der Treffer, erzielt durch Christian Pander, zählen müssen. Hartmann wollte gesehen haben, dass Hannovers Stürmer Didier Ya Konan vor Panders direkt verwandeltem Freistoß Maik Franz umgerissen hatte. Dem war aber nicht so. Selbst Markus Babbel hatte kein Foul gesehen. „Da haben wir Glück gehabt“, sagte Herthas Trainer. Auch eine Abseitsstellung, wie sie von manchen Beobachtern zunächst vermutet worden war, lag nicht vor.

So wurde Hertha mit viel Glück für eine engagierte Leistung in der letzten halben Stunde des Spieles belohnt. Mittelfeldspieler Andreas Ottl sagte: „Wir haben zur Halbzeit gewusst, dass unsere Chance kommt, haben das Tempo hochgehalten und uns den Punkt verdient.“

Tempo? Dynamisch ging es vor 41 200 Zuschauern in Hannover selten zu. Zu lethargisch waren die Niedersachsen, das Europapokalspiel am Donnerstag gegen den FC Sevilla schien noch Wirkung zu zeigen. Hertha hatte oft Zeit, die Defensive gut aufzustellen, so langsam und durchschaubar war Hannovers Spielaufbau. Die Berliner trugen mit ihren zaghaften Aktionen aber lange auch nicht dazu bei, dass ordentlich Fußball gespielt wurde. In der Offensive lief Hertha zuverlässig ins Abseits, den Berlinern gelang durch Raffael in der ersten Halbzeit nur in einziger ernsthafter Torschuss innerhalb des Regelwerks.

Anders verhielt sich das bei den Hannoveranern. Wenn sie schon nicht ihren gefürchteten Konterfußball aufziehen konnten, so waren sie wenigstens nach Standardsituationen gefährlich. In der neunten Spielminute köpfte Karim Haggui nach einem Freistoß von Sergio Pinto, Thomas Kraft konnte den Ball über die Latte lenken. Weniger glücklich sahen die Berliner beim zweiten Freistoß von Pinto aus. Kraft delegierte seine Spieler zwar ordentlich, nur als Pinto dann aus mehr als 20 Metern abzog, war es mit der Ordnung in der Berliner Mauer dahin. Raffael lief vier Meter zur Seite, der Ball hatte freie Bahn und flog in die Lücke zwischen Kraft und rechtem Torpfosten.

Babbel wollte später der Schuldige an dem Gegentreffer sein – oder auch nicht. Denn der Trainer sagte süffisant: „Das Tor nehme ich auf meine Kappe. Wenn ein Spieler in der Mauer nach rechts springt, muss sein Nebenmann die Lücke schließen. Das hätte ich den Jungs vorher erklären müssen.“ Jaja, die Jungs. Die erwähnte Babbel als gleich noch mal: „Heutzutage muss man den Jungs eben alles erklären.“

Im zweiten Durchgang mühten sich die Berliner Jungs dann aber, was Wirkung zeigte. Nach einem Pass von Ebert auf Christian Lell war Lasogga zur Stelle. Es war ein sehenswertes Tor in einem Spiel, das für Hertha glücklich endete und für den jüngsten Berliner auf dem Platz ein besonderes war. „Für mich hat in der Situation, die zum Tor führte, alles gepasst“, sagte Lasogga nach seinem ersten Bundesligatreffer, den er mit den 2000 mitgereisten Hertha-Fans bejubelte. „Ich habe eine gute Leistung gezeigt.“ Sein Trainer sah es vermutlich auch so, zu ganz großem Lob wollte er sich aber nicht hinreißen lassen. „Pierre hat seine Aufgabe erfüllt.“ Punkt.

Dank Lasogga geht für Hannover der Weg erst einmal nicht ganz nach oben. Und wohin geht es für Hertha? Am Freitag kommt Stuttgart, danach müssen die Berliner vor der Länderspielpause noch nach Dortmund. Hertha wird sich weiter anstrengen müssen, um aus diesem harten Programm ein Aufbauprogramm für das eigene Punktekonto zu machen. Doch auch wenn das 1:1 in Hannover glücklich war – wie schon beim 2:2 in Hamburg stimmte die Moral der Mannschaft.

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