Sport : Ein Punkt zum Einstand

Gladbach spielt mit Trainer Advocaat 1:1 in Mainz

Christian Tretbar[Mainz]

Beinahe väterlich verabschiedete sich Dick Advocaat nach der Pressekonferenz von Jürgen Klopp. Der neue Trainer von Borussia Mönchengladbach streichelte nach dem 1:1 (0:1) die Hand vom Mainzer Coach und nickte ihm anerkennend zu. Wie ein Vater, der stolz ist auf seinen Sohn und weiß, was dieser leisten kann und vielleicht noch leisten wird. Dabei haben sich beide heute zum ersten Mal gesehen. Trotzdem wusste der Holländer und Mann von Welt ziemlich genau, wen die kleinen Mainzer im eigenen Stadion schon so alles geschlagen haben.

„Deshalb können wir mit diesem 1:1 gegen so eine Mannschaft wie Mainz 05 sehr zufrieden sein“, sagt der Niederländer voller Respekt. Und Jürgen Klopp gab dieses Kompliment von so hoher Stelle gleich an seine Mannschaft weiter: „Nach so einem Spiel kann man ja auch nichts anderes sagen, aber für meine Jungs macht mich das schon stolz.“

Denn seine Mannschaft versuchte auch diesmal wieder von Beginn an Druck zu machen und mit spielerischen Mitteln zum Erfolg zu kommen. Doch es war der von Kameras und Fotografen umringte Advocaat, der bei seinem gelungenen Bundesligaeinstand schon nach 13 Minuten jubeln durfte. Eine Rückgabe von Niclas Weiland verunglückte und landete genau im Lauf von Vaclav Sverkos, der zum 1:0 einschoss. Dabei war die Mainzer Abwehr etwas irritiert, weil der Linienrichter erst auf Abseits entschied, Schiedsrichter Jörg Kessler jedoch erkannte, dass der Ball vom Gegner kam. „Der Linienrichter konnte auch nicht glauben, dass uns so ein Fehler unterläuft“, scherzte Klopp.

Die Borussia verlegte sich anschließend noch mehr aufs Kontern und ließ den Gastgebern kaum Platz. „Nach dem Tor sind wir etwas zusammengezuckt und waren beeindruckt“, gibt Benjamin Auer zu. Und auch Klopp hätte gerne eine kleine Auszeit gehabt, um seinen Jungs wieder die Ordnung zu vermitteln. In dieser Phase war auch ein wenig das Fehlen vom sonst so umtriebigen Mimoun Azaouagh zu spüren, der verletzt ausfiel.

Jürgen Klopp wollte das aber nicht gelten lassen: „Es ist wurscht, wer bei uns spielt, Hauptsache er hat ein Mainz 05 Trikot an, und dann geht die Post ab.“ Das passierte dann in der zweiten Halbzeit auch. Nikolce Noveski wuchtete eine Ecke von Antonio da Silva zum verdienten 1:1 ins Tor. „Wir wollten das Spiel noch gewinnen, aber es war wirklich schwierig heute, und deshalb müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein“, sagte Klopp.

Den Gladbachern war anzumerken, dass sich jeder beim neuen Coach um einen zukünftigen Startplatz bewerben wollte. Sie agierten konzentriert, und vor allem die Abwehr stand sehr gut. Nur die Offensive kam gegen die gute Mainzer Innenverteidigung nicht zum Zug. Allen voran Oliver Neuville konnte sich kaum durchsetzen. Dafür tauchte Jürgen Klopp nach dem Spiel vor ihm auf und bat um sein Trikot, was Neuville ihm auch gerne gab. „Das war vorher nicht geplant, sondern eher spontan, aber ich dachte mir, wenn er noch einmal für die Nationalmannschaft spielt, hat mein Sohn das Trikot.“ Das war aber nur die halbe Wahrheit, denn ein bisschen enttäuscht war Klopp schon: „Das Trikot ist auch was wert, aber der eine Punkt zu wenig.“

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