Sport : Ein Rennen für die Zukunft

15 400 Zuschauer erleben den Sieg von Manduro beim 15. Preis der Deutschen Einheit in Hoppegarten

Hartmut Moheit[Hoppegarten]

Seine besten Pferde wollte Peter Schiergen wenigstens einmal in diesem Jahr auf der Galopprennbahn in Hoppegarten an den Start bringen. Natürlich reizte den ehemaligen Ausnahme-Jockey mit 1453 Siegen und heutigen Trainer in Köln die hohe Dotierung des gestrigen Hauptrennens besonders, aber „zugleich sind es besondere Erinnerungen an diese Rennbahn“, die ihn zusätzlich animierten. „Vor 15 Jahren gehörte ich am 31. März zu den Jockeys, die hier beim ersten Deutschen Gemeinschaftsrenntag im Sattel saßen. Ich hatte vier Ritte und konnte viermal siegen, und das vor weit über 30 000 Zuschauern“, erinnert sich Schiergen. Einen Erfolg beim Preis der Deutschen Einheit schaffte er in seiner erfolgreichen Karriere, die vor acht Jahren endete, nie.

Dass Schiergen mit den von ihm trainierten Pferden bei der 15. Auflage des Rennens dominieren würde, daran zweifelte diesmal niemand. Die sehr beachtliche Anzahl von 15 400 Zuschauern war dabei, als das Rennen der Europa- Gruppe III über 2000 Meter bei besten Grasbahn-Bedingungen gestartet wurde. Bis auf die Zielgerade hin, von wo aus noch 400 Meter zu absolvieren waren, sorgte Alexander Pietsch mit dem siebenjährigen Schimmel Near Honor für ein ruhiges Tempo, dann aber waren Schiergens Hengste nicht mehr zu halten. Kopf an Kopf galoppierten der dreijährige Manduro unter Terence Hellier und der fünfjährige Soldier Hollow mit William Mongil dem Ziel entgegen. Die 32 000 Euro für den Sieger kassierten schließlich Besitzer, Trainer und Pfleger von Manduro, der damit ungeschlagen blieb. „Wahrscheinlich ist Manduro der beste dreijährige Hengst in diesem Jahr“, sagte Schiergen. Am Deutschen Derby konnte Manduro nicht teilnehmen, er hatte Anfang Juli Wachstumsprobleme und entsprechenden Trainingsrückstand.

Da die 10 000 Euro für den Zweiten an Soldier Hollow gingen, war Schiergen prozentual an beiden Preisen beteiligt. Eine wesentlich kleinere Prämie hatte sich der Trainer gleich im ersten Rennen verdient, als Mongil mit dem zweijährigen Silex ein Rennen über 1600 Meter gewann. Die Auszeichnung für den erfolgreichsten Trainer der Saison hatte Schiergen bereits vor dem Hoppegartener Renntag sicher. Und auch vor dem Sonntag, als der von ihm betreute dreijährige Hengst El Tango das 121. Deutsche St. Leger in Dortmund gewann.

Als die sieben Jagdhornbläser aus Iffezheim zur Siegerehrung aufspielten, schaute der 40 Jahre alte Schiergen noch einmal auf die vielen Zuschauer. Später sagte er: „In Hoppegarten, auf dieser schönen Bahn, muss es weitergehen.“ Schiergen beantwortete damit die Frage, wie er darüber denke, dass durch die Insolvenz des Union-Klubs die Zukunft der Galopprennbahn derzeit völlig offen ist.

Die zweite Antwort darauf war in der Besucherzahl und dem Umsatz an den Wettschaltern abzulesen. Jene 15 400, die es am wolkenreichen, aber regenfreien Feiertag vor die Tore Berlins zog, zahlten 302 650 Euro für ihre Wetten ein. Diese beachtliche Summe hatte sich Artur Boehlke, der den fünften Renntag des Jahres im Auftrag des Insolvenzverwalters organisierte, in seinen kühnsten Träumen erhofft. Dieser Renntag hat viele Argumente dafür geboten, dass die für 2006 angemeldeten zwölf Rennen auch durchgeführt werden sollten.

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