Sport : „Ein Rennen ist süß wie ein Bonbon“

Afsoon Amirfallah über eigene Traber-Erfolge und ihren Lebensgefährten Weltmeister Heinz Wewering

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Sie sind Iranerin und seit mehr als fünf Jahren mit Heinz Wewering zusammen. Heute treten Sie in Mariendorf beim DerbyPokal der Amateure um 10 000 Euro als Titelverteidigerin an. Doch bis Mittwoch lagen Sie noch mit Blutergüssen und Muskelkater im Bett…

Der Trabersport ist nicht ganz ungefährlich. Am Sonntag ist mir mein Hengst Portofino im Rennen ein bisschen zu nahe gekommen. Es war nicht seine Schuld, er war zu dicht am Sulky angespannt. Er hat es nicht böse gemeint.

Haben Sie aufgrund dieser Erfahrungen keine Angst?

Nein, Angst habe ich nie, aber manchmal Respekt. Heinz Wewering legt die Traber fest, die ich im Rennen fahre. Und wenn einer dabei ist, den er beim Start davor selber kaum halten konnte, grüble ich schon mal. Dann lacht er und bietet mir als Alternative an, zu Fuß zu laufen. Aber im Ernst: Ich brauche doch nur den leichtesten Teil der Aufgabe zu absolvieren, der Trainer hat es viel schwerer. Er muss das Pferd über Wochen und Monate so vorbereiten, dass es am Tag X eine hundertprozentige Leistung bringt. Damit verglichen ist Rennen fahren wie ein süßes Bonbon.

Untertreiben Sie nicht? Sie haben bisher 262 Rennen gewonnen, landen bei 75 Prozent Ihrer Starts auf Sieg oder Platz und liegen im Amateurbereich hinter Rita Drees auf Rang zwei. Erinnern Sie sich an Ihren ersten Erfolg?

Natürlich, das war auf der Hamburger Piste mit dem Traber Scanlon. Ich will den Wallach nicht beleidigen, aber er war viel eher ein Kamel als ein Rennpferd. Scanlon konnte zwar rasant starten, aber zur Hälfte der Strecke ging ihm stets die Puste aus. Wir hatten also null Chance. Als das Rennen begann, stieß er in Front. Das war normal, aber in der letzten Kurve lagen wir tatsächlich immer noch vorne. Ich habe dann gebrüllt wie ein Löwe, und vielleicht hat Scanlon deswegen einfach einen Riesenschreck bekommen. Er zog plötzlich ab wie eine Rakete und deklassierte die Gegner.

Dieses Siegesgefühl konnte Ihr Lebensgefährte Heinz Wewering bisher unglaubliche 15 348 Mal genießen. Er gewann dabei weit über 50 Millionen Euro Rennprämie. Was macht ihn so stark?

Er liebt seine Pferde, nur so geht es. Mit Härte und mit Kraft erreicht man nichts. Ein Trainer muss spüren, wo die Leistungsgrenze eines Trabers liegt. An die darf er sich nur herantasten. Wenn er sie überschreitet, bricht er seinem Schützling für immer den Willen. Heinz fährt seine Pferde mit zwei Fingern, sie stemmen sich nie gegen ihn.

Und das reicht aus für die vielen Siege?

Es kommt sein persönliches Geheimnis hinzu: Er hat sehr starke Nerven. Während manche seiner Konkurrenten vor den großen Rennen blass sind wie die Wand, holt sich Heinz 15 Minuten vor dem Derby noch ein Stück Kuchen. Mein Verstand sagt mir, es wird nicht leicht – aber mein Gefühl sagt, er schafft den Derbysieg auch in diesem Jahr.

Für Sie selber wird es heute Abend in dem Amateurklassiker sehr schwer.

Mein Wallach Kempinski ist nur Außenseiter, aber in dem Rennen ist noch keiner zu Hause. Und wenn ich nur Sechster werde, ist das auch nicht schlimm. Das Publikum hier ist sehr herzlich.

Das Interview führte Heiko Lingk.

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