Sport : Ein Rennstall voller Probleme Langsam und unmotiviert: Was ist los bei Williams?

Karin Sturm

Silverstone - Es klang fast wie eine Bitte des Teamchefs. Er gehe nicht davon aus, dass Ralf Schumacher in dieser Saison noch einmal in ein Formel-1-Auto steigen werde, sagte Frank Williams am Rande des Großen Preises von England. Er solle sich lieber gründlich auskurieren. Der nach seinem schweren Unfall angeschlagene Ralf Schumacher wechselt 2005 zu Toyota – eine Rückkehr zu Williams’ Rennstall in dieser Saison würde vermutlich mehr Durcheinander verursachen als alles andere. Denn auch Williams-BMW braucht Zeit zur Regeneration.

Das einstige Weltmeisterteam steckt in der Krise: Das Auto will nicht schnell fahren, die Mitarbeiter wirken bisweilen seltsam unmotiviert und beide Fahrer werden den Rennstall verlassen – Juan Pablo Montoyas Wechsel zu McLaren steht schon länger fest. Trotzdem geht BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen davon aus, „dass wir im nächsten Jahr zwei gute Fahrer mit voller Motivation im Auto sitzen haben werden“. Namen nennt er nicht, aber es gibt wohl einen Favoriten: Mark Webber. Der Jaguar-Pilot soll bereits bei Williams unterschrieben haben. Außerdem ist Jacques Villeneuve im Gespräch. Er war 1997 der bislang letzte Formel-1-Weltmeister in einem Williams und wird zu Testfahrten im Spätsommer erwartet. Und dann wäre da noch die hausinterne Lösung: Antonio Pizzonia könnte schon in Hockenheim an Stelle von Marc Gené im zweiten Williams sitzen.

Doch das größte Problem von Williams-BMW sind nicht die Fahrer – es ist das Auto. Umfassende Regeländerungen sind angekündigt, die besonders die Motoren betreffen sollen. Solange das Reglement nicht bekannt ist, ist die Entwicklung eines Wagens fast unmöglich. „Dass wir noch nicht wissen, mit welchen Motoren wir nächstes Jahr fahren werden, beunruhigt mich mehr, als dass noch nicht feststeht, welche Fahrer bei uns im Auto sitzen werden“, gibt Theissen zu.

Diese Unsicherheit ist geradezu sinnbildlich für den Zustand des Teams. Kürzlich vorgenommene Umstrukturierungen scheinen nicht den erhofften Erfolg gebracht zu haben. Patrick Head kritisierte öffentlich seinen Nachfolger als Technischer Direktor, Sam Michael. Und Montoya macht eindrucksvoll klar, dass ihn das ganze Team nicht besonders interessiert. Auch zu Michael Schumacher sind die Probleme bei Williams bereits durchgedrungen. „Wenn man die Hintergründe kennt, kann man schon verstehen, warum Ralf gegangen ist“, sagt er.

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