Sport : Ein riesiges Debüt

Rodnei überzeugt in seinem ersten Spiel für Hertha BSC

Sven Goldmann
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Berlin - Es war Ende Oktober, als der Fußballspieler Rodnei Francisco de Lima einem größeren Fernsehpublikum bekannt wurde. In Dortmund hielt Herthas letztes Aufgebot ein 1:1, und um in der Schlussphase Zeit zu gewinnen, wollte Trainer Lucien Favre den langen Brasilianer für dessen Landsmann Raffael einwechseln. Die Fernsehkameras blendeten eine gefühlte Ewigkeit zwischen dem hüpfenden Rodnei und der elektronischen Tafel mit Raffaels Nummer 10 hin und her, aber der Schiedsrichter übersah das Signal, und bevor es zum Wechsel kommen konnte, war das Spiel auch schon zu Ende.

Rodnei sagt, er sei damals schon ein wenig traurig gewesen, „aber dann habe ich mich über den gewonnen Punkt gefreut“. Seitdem wartet der Mann, der im Sommer vom polnischen Erstligisten Jagiellonia Bialystok kam, auf seine Chance. Kaum einer im Umfeld Herthas hatte damit gerechnet, dass er sie ausgerechnet im Spitzenspiel gegen den FC Bayern bekommen würde. Nur für Lucien Favre war es die normalste Sache der Welt, „denn er hat sich diesen Einsatz durch harte Arbeit im Training verdient“.

Vor drei Wochen, im Trainingslager in Marbella, hatte Favre den gelernten Innenverteidiger im Testspiel gegen den VfL Osnabrück zum ersten Mal als linken Außenverteidiger ausprobiert, was Rodnei selbst ein wenig irritierte, „denn auf dieser Position habe ich das letzte Mal als Elfjähriger gespielt“. Das ist 13 Jahre her, aber der 1,90 Meter lange Brasilianer gefiel dem Trainer auf dem ungewohnten Flügel so gut, dass er gegen den FC Bayern eine bemerkenswerte Rochade riskierte und seinen Linksverteidiger Marc Stein auf die rechte Seite schickte.

Nervös war Rodnei nur beim Auflaufen, als er sich bekreuzigte und die gefalteten Hände demonstrativ in den Himmel reckte. Mit überirdischem Beistand verlief das Bundesligadebüt des großen Unbekannten überraschend gut. Und das, obwohl er es abwechselnd mit Bayerns französischem Topstar Franck Ribéry und dem deutschen Nationalspieler Bastian Schweinsteiger zu tun hatte.

Mit seiner riesigen Übersetzung wirkt Rodnei auf den ersten Blick ein wenig tollpatschig. Aber mit dem Ball stellt er Dinge an, die man ihm auf den ersten Blick gar nicht zutraut. Als er kurz vor Schluss Platz machte für den Argentinier Leandro Cufré, rief der Stadionsprecher: „Wir verneigen uns in Demut vor unserer Nummer 15…“ und die Berliner Fans unter den 70 000 im Stadion brüllten: „Rodneiiiiiiii!“ Sven Goldmann

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