Sport : Ein Rückzug zieht sich in die Länge

Assauer will bei Schalke aufhören – vielleicht 2008

Richard Leipold

Gelsenkirchen - Rudi Assauer will sich aus dem operativen Geschäft des FC Schalke 04 zurückziehen – nicht sofort, aber nach Ablauf seines Vertrages im Jahr 2008. „Ich glaube, dass ich dann ausscheiden werde“, sagte der 61-Jährige gestern bei einer Pressekonferenz, bei der es eigentlich um das anstehende Uefa-Cup Spiel der Schalker am heutigen Mittwoch gegen Espanyol Barcelona gehen sollte (20 Uhr, live im DSF). „Mit 63 oder 64 Jahren ist es an der Zeit, die Geschäfte laufen und junge Leute an die Front zu lassen.“

Die Interpretationen von Assauers jüngster Stellungnahme gehen auseinander. Das alles sei nichts Neues, sagen diejenigen, die darauf bedacht sind, den gerade erst hergestellten Vereinsfrieden nach dem Machtkampf zwischen Assauer und dem Aufsichtsrat zu erhalten. Andere sehen mit den jüngsten Äußerungen eine neue Runde im Kampf um die Macht eingeläutet. Die Ankündigung, sich in gut zwei Jahren aus dem „Geschäft“ zurückzuziehen, könne auch bedeuten, dass Assauer gedenkt, bis dahin – entgegen den Wünschen des Aufsichtsrats – weiter Einfluss auf das sportliche Tagesgeschäft auszuüben. „Das hat nichts mit meinem Amt als Präsident zu tun“, sagt er. Sein Vertrag als bezahltes Mitglied des Vorstandes läuft bis 30. September 2008. Assauer kündigte an, er werde „auch danach auf Schalke gehen“.

Im Umkehrschluss könnte dies bedeuten, dass er bis 2008 so weitermachen will wie bisher, auch nach seinem – formalen – Aufstieg zum Präsidenten, der für den 1. August dieses Jahres vorgesehen ist. An diesem Tag soll Assauer die Nachfolge des 70 Jahre alten Präsidenten Gerd Rehberg antreten. Teammanager Andreas Müller, den Assauer als „würdigen Nachfolger“ bezeichnet, wollte sich dazu am Dienstag nicht äußern. „Ich muss erst einmal mit ihm sprechen“, sagte der designierte Nachfolger, den Assauer ins Management des Klubs geholt hatte. Die ausweichende Antwort zeigt zumindest, dass das offizielle Schalke von Aussauers jüngsten Aussage überrascht wurde, der sich bisher dagegen gesperrt hat, von August an auf die Rolle eines präsidialen Frühstücksdirektors reduziert zu werden.

Aufsichtsratschef Clemens Tönnies reagierte am Dienstag gelassen. Auf sein Betreiben war zu Beginn dieses Jahres der Wechsel des Managers auf den Stuhl des Präsidenten verabredet worden. „Das Amt des Präsidenten ist klar definiert. Es umfasst Repräsentationsaufgaben und die Pflege der Sponsoren. Außerdem ist Rudi als Ratgeber von Andreas Müller gefragt“, sagte Tönnies. „Darauf haben wir uns vor zwei Monaten geeinigt.“

Vor dieser Einigung war Assauer oft kritisiert worden, vor allem aus dem Aufsichtsrat, nicht nur seiner Personalpolitik wegen. Auch sein Trinkverhalten wurde thematisiert, etwa von Tönnies. Assauer behauptet, mit diesen Vorwürfen hätten seine jüngst geäußerten Absichten nichts zu tun. „Es ist eine rein logische Entscheidung, irgendwann mal die Bremse zu ziehen“, sagt er. Die Länge des Bremsweges scheint aber selbst für Insider nicht abschätzbar.

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