Sport : Ein Satellit stürzt ab

Volleyball-Bundestrainer Raul Lozano muss gehen – doch die Kritik trifft auch den Verband

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Adios, Senor Lozano. Spanisch versteht der bisherige Volleyball-Bundestrainer. Deutsch und Englisch kann er nicht. Foto: dadp Foto: dapd
Adios, Senor Lozano. Spanisch versteht der bisherige Volleyball-Bundestrainer. Deutsch und Englisch kann er nicht. Foto: dadpFoto: dapd

Berlin - Kaweh Niroomand war von der Nachricht dann doch „überrascht“. Mit der Entlassung von Raul Lozano hatte er nicht gerechnet, er hatte eher gedacht, dass der Argentinier auch Ende November bei der ersten Olympia-Qualifikation in Tourcoing, Frankreich, die deutschen Volleyballer als Männer-Bundestrainer betreuen wird. Doch an seiner Stelle werden nun Co-Trainer Ralph Bergmann und Junioren-Trainer Stewart Bernard das Team coachen. Und man kann nicht unbedingt sagen, dass Niroomand, der Manager des Bundesligisten Berlin Volleys, über Lozanos Abgang traurig wäre.

Immerhin hatte der Argentinier das blamable Aus in der Vorrunde der EM 2011 zu verantworten. Schon kurz nach Turnier-Ende hatte Niroomand mit Lozanos Rauswurf gerechnet, aber nichts geschah. Niroomand schätzt Lozano als Fachmann, das betont er, aber der Argentinier habe keine Bindung zur Bundesliga gehabt, habe sich so gut wie nie bei Spielen sehen lassen und spreche weder Deutsch noch Englisch. „Der ist wie ein Satellit um das deutsche Volleyball geschwebt.“ Warum Lozano aber gerade jetzt gefeuert wurde, das ist ihm nicht klar.

Das erklärte stattdessen Günter Hamel, der Sportdirektor des Deutschen Volleyball-Verbands (DVV), dem Sportinformationsdienst: „Wir sind zu der Erkenntnis gelangt, dass zwischen der Mannschaft und dem Trainer die Chemie nicht mehr stimmt.“ Nationalmannschafts-Routinier Stefan Hübner sieht das ähnlich: „Es gab einen zu großen Graben zwischen Mannschaft und Trainer.“

Die Frage ist allerdings, ob der nicht von vornherein da war und nur noch im Lauf der Zeit vergrößert wurde. Dass Lozanos Verpflichtung „ein Risiko beinhaltet“, hatte Hamel im „Volleyball-Magazin“ zugegeben. Er bezog das auf dessen fehlende Sprachkenntnisse, aber auch auf den Umstand, dass Lozano „ein sehr zurückhaltender Mensch ist“.

Ein Risiko? Kann man sagen, wenn man einen so reservierten Fachmann in einen Job hievt, bei dem man eng mit Bundesliga-Trainern und -Managern zusammenarbeiten muss. Und noch fragwürdiger war die Klausel in Lozanos Vertrag, die ihm erlaubte, fünf von zwölf Monaten im Jahr in Argentinien zu leben. „Wer nicht da ist, entwickelt keine Bindung zur Liga“, sagt Niroomand, „und wer keine Bindung entwickelt, der entwickelt keine Leidenschaft.“ Dass Lozano mal Bundesliga-Trainer kritisiert hatte, weil die sich angeblich zu selten, etwa im Ausland, intensiv fortbildeten, erhöhte auch nicht gerade die Zahl seiner Fans.

Doch Niroomand hat auch Fragen im Strategischen. Allein schon, dass Lozano erst jetzt gehen müsse, „lässt nicht auf ein gutes Management schließen“. Er meint den DVV. Dass der 2009 überhaupt solch einen Vertrag unterschrieben hat, macht ihn sowieso fassungslos. Eigentlich, so sieht es der Volleys-Manager, ist Lozanzo nur ein Symptom der Krise, nicht die Ursache. Die Problematik gehe viel tiefer: „Der Verband hat kein Konzept, wie er Nationalmannschaft, Bundesliga und Nachwuchs unter einen Hut bekommt.“ Die EM-Pleite 2011, sie ist ja nur der letzte Punkt in einer längeren Liste sportlicher Mängel. Nun ist die Olympia-Qualifikation akut gefährdet.

Und wer wird jetzt Lozanos Nachfolger? „Wir haben keinen Namen im Kopf“, sagt Hamel. „So ein Kandidat muss ja auch ganz besondere Kriterien erfüllen.“ Deutsch- oder Englischkenntnisse wären schon mal nicht schlecht.

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