Sport : Ein Schiff wird kommen

Tunesien eröffnet den Afrika-Cup mit einer eindrucksvollen Party, um sich für die Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 zu empfehlen

André Görke

Tunis. Vor der Stadiontribüne herrschte große Harmonie. An der Seitenlinie standen die Werbebanden mit dem Schriftzug „Marocco 2010“, daneben die analogen Botschaften aus Ägypten, Tunesien und Libyen. Nur wer etwas genauer hinschaute, entdeckte den Schriftzug „South Africa 2010“ versteckt hinter einem Torpfosten. Man kann das so verstehen: Die Länder Nordafrikas wollen in vertrauter Runde bleiben.

Vielleicht ist die Wahl des Weltverbandes Fifa schon gefallen, welches Land die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 ausrichten darf. Vielleicht pfiffen auch deshalb bei der Eröffnungsfeier des Afrika-Cups die 60 000 Fans in Tunis, als die südafrikanische Delegation auf der Videoleinwand begrüßt wurde. Die offizielle Entscheidung über die Vergabe wird erst am 15. Mai bekannt gegeben, Südafrika gilt als klarer Favorit. Aber noch wehrt sich Tunesien. Die Eröffnungsfeier war Anlass, der Welt zu zeigen, dass das Land mehr zu bieten hat als hübsche Hotels mit Pool und Blick aufs Mittelmeer.

Fünf Millionen Euro investierten die Organisatoren in die Party. 3000 Menschen waren involviert, vor acht Monaten begann die Vorbereitung. Engagiert wurde jene Crew aus Südkorea, die schon die Eröffnungsfeier der WM 2002 in Asien vorbereitet hatte. Der Anspruch wurde also schnell deutlich, die Stimmung in der Stadt war am Vormittag jedoch gedämpft. Keine Fans, keine Fahnen, nur hupende Autos; wobei in Tunis ständig gehupt wird.

Erst am Nachmittag wurde es hektisch in Tunis, der Anpfiff nahte. Die Feier sollte um 18 Uhr beginnen, das Auftaktspiel zwischen Tunesien und Ruanda eineinhalb Stunden später. Doch schon um 16 Uhr war das Stadion prall gefüllt. Ricky Martin dröhnte durch die Lautsprecherboxen, die Welle raste dazu mit einer irrwitzigen Geschwindigkeit über die Tribüne. Sieben Sekunden dauerte eine Runde, Platz nehmen musste niemand.

Das Lachen verging den Fans auch nicht, als bei der Begrüßung des Staatspräsidenten Ben Ali lautes Klatschen zu hören war, auf der Tribüne jedoch kein Mensch die Hände bewegte. Tonband also, wie auch beim Einmarsch der Blaskapelle. Die Musik lief noch, als die Band längst aus dem Stadion verschwunden war. Dafür haben die Organisatoren wenigstens eine perfekte Show geboten. „Carthage - Africa 2004“ hieß das Programm und sollte die Geschichte und die Kultur des Kontinents zeigen. Im Norden des Spielfeldes war eine Bühne in antiker Bauweise errichtet, im Süden eine, die mit ihren Steppenpflanzen und Höhlen auf Schwarzafrika anspielen sollte. Artisten, verkleidet als Zebra, Schlange oder mit Bastrock und einem Holzspeer in der Hand, rannten gemeinsam über das Spielfeld. „Afrikas Harmonie zwischen Mensch und Natur“, hieß das Spektakel. Der Höhepunkt jedoch war die Show „Vessel of hope“, was so viel heißt wie: Schiff der Hoffnung. Eine 10 mal 25 Meter große Galeere wurde ins Stadion geschoben, die Leinen gekappt, und dann hob das Schiff wie ein Luftballon ab. Ungesteuert, ohne Halt, einfach hinweg durchs Stadiondach. Der Himmel war bunt erleuchtet, so viele Raketen schossen die Tunesier in die Luft. Überall brannte es, überall zündeten die Fans Fackeln.

Nach vierzig Minuten war die Show vorbei. Die großen Boxen mit den feinen Klängen wurden aus dem Stadion gerollt. Von nun an knatterte und rauschte es, erst sank die Temperatur und dann das Niveau des Eröffnungsspiels. Ruanda spielte am Rande der Körperverletzung, so hart attackierten die Afrikaner die Spieler aus Tunesien. Es gab viele Gelbe und zwei Rote Karten. 2:1 gewann Tunesien am Ende, viele Fans jedoch hatten den Schlusspfiff nicht mehr hören wollen. Die Eröffnungsparty ihres Landes war WM-reif, das wussten sie. Ihr Fußball war es nicht.

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