Sport : Ein schlampiges Phänomen

Nach einigen Irrungen ist Jenson Button auf dem Weg, die Überraschung der neuen Formel-1-Saison zu werden

Frank Bachner

Imola. Jenson Button dachte gar nicht daran, sich einzumischen. Neben ihm stritten sich Michael Schumacher und Juan Pablo Montoya, aber Button hatte nur seine Hände gefaltet und lächelte den hundert Journalisten zu, die vor ihm saßen. Nur ein Reporter riss ihn dann aus seiner Ruhe. „Sagen Sie mal, Mr. Button, haben Sie gesehen, ob Michael Schumacher in der ersten Runde abgedrängt hat?“ Hatte er nicht. Das ist seine offizielle Version. „Ich fühle mich fantastisch“, sagte er stattdessen. Das war auch offiziell – und ganz sicher ehrlich.

Zum ersten Mal in seiner Formel-1-Karriere war der Engländer bei einem Grand Prix Zweiter geworden. Bis zur neunten Runde hatte er in Imola beim Großen Preis von San Marino sogar geführt. Dann aber „hatte ich Angst“. Schumacher jagte ihm mit seinem Ferrari die Führung ab.

Sieg? Oder nur Platz zwei? Das ist eigentlich nicht gar so wichtig. Wichtiger ist, dass Jenson Button vorn mitmischt. Ein neuer Name im langweiligen Rennzirkus. Button wurde Dritter in Malaysia, Dritter in Bahrain, in Imola nun Zweiter, er könnte die Überraschung der Saison werden.

Ausgerechnet Jenson Button. Dessen Name stand schon einmal für Aufbruch und Hoffnung, tauchte aber bald nur noch in Statistiken auf. Eines der vielen Opfer der Formel 1, die gnadenlos aussortiert, wer Illusion und Wirklichkeit zu sehr vermischt.

2000 war Button zu BMW-Williams gestoßen. Ein 19-Jähriger mit der Erfahrung von gerade einmal 44 Autorennen. In einer Ausscheidung in Barcelona hatte er sich gegen seinen Rivalen Bruno Junqueira durchgesetzt. Eine halbe Stunde vor einem PR-Termin erfuhr Button von Teamchef Frank Williams, dass er der zweite Mann neben Ralf Schumacher sein sollte. BMW-Sportchef Gerhard Berger wagte den Satz: „Alle zehn Jahre kommt ein Phänomen daher. Ich glaube, hier haben wir es.“

Ein verhängnisvoller Satz. Weil er Button zu Kopf stieg. Er sah gut aus, die britischen Boulevardzeitungen schrieben ihn zum Teenie-Star, junge Frauen kreischten, wenn sie ihn sahen. Der Rennfahrer Button wurde zum Jung-Playboy. Er zog ins Steuerparadies Monaco, legte sich eine 20-Meter-Yacht zu, tauchte in Bars und Discos auf und fütterte die Boulevardpresse mit Stoff. Mit 14 die Schule verlassen, später durch die Führerscheinprüfung gefallen, Vorliebe für „trendige Klamotten und Discos“.

Der Rennfahrer Button manövrierte in Brasilien Jos Verstappen mit einem selbstbewussten Manöver aus, wurde in São Paulo Sechster, gewann damit als jüngster Formel-1-Pilot einen WM-Punkt und beendete den Grand Prix von Belgien als Fünfter. Doch für Frank Williams war der Rennfahrer Button längst hinter den Playboy Button zurückgetreten. Schon in Imola sagte Williams ohne Not: „Ich kann mir 2001 auch ohne Button vorstellen.“ Button flog 2001 raus, Montoya kam. Das vermeintliche Phänomen landete beim chancenlosen Team Benetton und ein Jahr später bei Renault. Die britische Boulevardpresse schrieb: „Gib Gas, Junge, oder alles ist vorbei.“

Vielleicht beginnt jetzt aber alles wieder neu. 2003 wechselte Button zu BAR-Honda. Dort hatten sie sich mit einem noch viel größeren Exzentriker als Button herumzuschlagen: Jacques Villeneuve. Der Kanadier musste nach der Saison 2003 gehen, und Button übernimmt jetzt den Part des Motivators. „Er ist einer, der hilft, die Entwicklung voranzutreiben“, sagte Technik-Chef Geoff Willis in Imola. Das Team stellt Button ein stärkeres Auto zur Verfügung, der Pilot tauscht sich intensiv mit den Ingenieuren aus. Zu BMW-Williams will er derzeit jedenfalls nicht zurück.

Button fühlt sich wohl bei BAR. Das war schon nach der Rückkehr aus Malaysia erkennbar: Da lud er die BAR-Mechaniker zum Bierabend in ein Pub in Oxfordshire ein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben