Sport : Ein schmerzhaftes Gegentor

Hansas Torwart Stefan Wächter wollte seine Mitspieler nicht im Stich lassen

Karsten Doneck[Cottbus]

Stefan Wächter saß im Komfortbus und legte die Beine hoch. Allerdings weniger der Gemütlichkeit wegen. Den Torhüter von Hansa Rostock plagten auf der Heimfahrt von Cottbus heftige Schmerzen. Bei der 1:2 (1:1)-Niederlage beim FC Energie hatte sich der 30-Jährige in der 84. Minute verletzt. Einen Außenbandriss im rechten Knie und eine Kapselverletzung diagnostizierte der Vereinsarzt am Sonntag. Das bedeutet vier Wochen Pause. Die Saison ist damit für Wächter beendet. Ob bei ihm auch der Meniskus oder das Kreuzband in Mitleidenschaft gezogen wurde, das soll bei einer Kernspintomographie heute geklärt werden.

Stefan Wächter hatte sich die Verletzung zugezogen, als er einen Kopfball von Ivan Radeljic abwehren wollte. Der Ball klatschte an die Latte. Wächter verdrehte sich bei seinem Rettungsversuch das Knie. Nach kurzer Behandlungspause auf dem Platz traf er eine schwerwiegende Entscheidung – aus edlen Motiven. „Stefan wollte unbedingt weitermachen, weil er seine Mitspieler nicht im Stich lassen wollte“, sagte Frank Pagelsdorf. Rostocks Trainer hatte schließlich zuvor bereits drei Spieler ausgewechselt, mehr ging nicht. Wächter humpelte stark, wusste aber genau, dass er durch einen Feldspieler hätte ersetzt werden müssen, seine Mannschaft somit zu Zehnt die Schlussphase hätte überstehen müssen. Pagelsdorf seinerseits sah keinen Handlungsbedarf. „Unsere Ärzte waren auf dem Platz. Und ich konnte doch erst reagieren nach einem Signal von Stefan, dass es nicht mehr geht“, sagte er.

Der Gegner, die Cottbuser, waren kurz vor der Pause bereits dezimiert worden. Igor Mitreski hatte Gelb-Rot gesehen. Aber trotz Überzahl musste Hansa in der ersten Minute der Nachspielzeit den entscheidenden Treffer zum 1:2 hinnehmen. Ob das Kopfballtor von Dimitar Rangelow für einen „gesunden“ Wächter haltbar gewesen wäre, daran schieden sich später die Geister. Erst nach diesem Tor humpelte der Torwart zur Seitenlinie. Für die letzten Sekunden des Spiels streifte sich Verteidiger Tim Sebastian Hansas Torwarttrikot über. Einen Ballkontakt hatte Sebastian als Schlussmann nicht mehr. Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer pfiff kurz darauf ab.

Hansa Rostock hatte ein dramatisches Abstiegsduell verloren – trotz günstigster Voraussetzungen. Cottbus geriet durch Djordjije Cetkovic früh in Rückstand und durch Mitreskis gelb-rote Karte noch vor der Pause in Unterzahl. Hansa war in Überzahl dazu aufgefordert, aus der bis dahin eingenommenen Konterstellung herauszukommen und die Initiative auf dem Platz zu ergreifen. Dieser Rollenwechsel überforderte die Mannschaft offenbar. Erstaunlich: Erst zu zehnt wurde Energie Cottbus aktiver, stärker und selbstsicherer. Der Ausgleich durch Timo Rost zehn Minuten vor dem Ende war zu dem Zeitpunkt hochverdient, der Siegtreffer durch Rangelow der Lohn für nimmermüde Arbeit.

Für Rostock war die Art des Verlierens ziemlich deprimierend. „Wir müssen jetzt aufpassen, dass wir den Kopf oben behalten“, ermahnte Frank Pagelsdorf seine Spieler. Auf Erfahrung im Tor kann Hansa nun nicht mehr setzen in den restlichen vier Partien der Saison gegen den Hamburger SV und Leverkusen zu Hause sowie auswärts in Hannover und Bochum. Wächters Ersatz Jörg Hahnel ist zwar 26 Jahre alt, hat aber gerade mal zwei Bundesligaeinsätze hinter sich.

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