Sport : Ein sicherer Arbeitsplatz

Der 1. FC Union könnte sich gar keinen neuen Trainer leisten

Karsten Doneck

Berlin. Die Zeit war längst reif für ein paar klare Worte. Schließlich hat Zweitligist 1. FC Union Berlin in den bisherigen 13 Punktspielen unter Trainer Mirko Votava gerade mal zwei Siege eingefahren, ist im neuen Jahr in sieben Partien noch sieglos. Da beginnt logischerweise die Suche nach den Ursachen und, damit eng verbunden, zwangsläufig auch die Nörgelei am Trainer. Bei Union stellte sich Präsident Heiner Bertram sogleich hin und gab Beistand. „Votava ist für zweieinhalb Jahre verpflichtet, so lange bleibt er“, erklärte Bertram unter der Woche in der „BZ“. Normalerweise gelten solche Treuegelöbnisse in der Fußball-Branche als Vorbote einer Beurlaubung, gerade wenn der Misserfolg wie bei Union allmählich in Abstiegsangst mündet. Aber Votava braucht wegen seines Jobs nicht sonderlich beunruhigt zu sein. Sein Arbeitgeber könnte in dieser Saison, selbst wenn er wollte, nach Georgi Wassilew und Mirko Votava gar keinen dritten Trainer mehr bezahlen.

Votava hat nach seinem Dienstantritt Anfang November immer für sich reklamiert, den Weg der kleinen Schritte gehen zu wollen. Die Mannschaft sollte nach seinen Vorstellungen systematisch weiter entwickelt werden. Fortschritte in dieser Richtung hat der Trainer durchaus erzielt, aber – auch wenn es vielleicht paradox klingt – in den Ergebnissen drückt sich das zu selten aus. Zwischen dem 0:3 bei Alemannia Aachen zu Votavas Einstand und dem 0:3 zuletzt daheim gegen den 1. FC Köln liegen sehr wohl Qualitätsunterschiede. „Gegen Köln hatten wir mindestens die gleiche Anzahl sehr guter Torchancen, uns fehlte nur etwas Glück“, sagte Unions Pressesprecher Lars Töffling. Beim 0:7 im Hinspiel in Köln, zugleich Wassilews Abschiedsvorstellung, sah Union das Tor des Gegners meist nur aus weiter Ferne.

Dennoch: Auch Mirko Votava hat Fehler gemacht. Seine Torwart-Rotation zu Beginn der Rückrunde brachte nicht den erhofften Leistungsschub bei den Männern mit den Fanghandschuhen. Sowohl Robert Wulnikowski als auch Sven Beuckert wurden stattdessen vom großen Nervenflattern befallen. Seine Maßnahme, alle zwei Spiele den Schlussmann zu wechseln, hat Votava inzwischen revidiert. Ob freiwillig, wie er behauptet, oder auf sanften Druck von außen, wie bei Union kolportiert wird, sei mal dahingestellt. Jedenfalls soll nicht nur heute in Burghausen, sondern auch für den Rest der Saison Robert Wulnikowski im Union-Tor Gegentreffer verhindern.

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