Sport : Ein Sieg als Fußnote

Bremen schlägt den FC Bayern 3:0, doch Gesprächsthema ist allein Münchens Torwart Kahn

Steffen Hudemann[Bremen]

An einem normalen Spieltag wäre das Spitzenspiel zwischen Werder Bremen und Bayern München für sich genommen eine interessante Geschichte gewesen. Doch auch als die Begegnung mit einem 3:0-Sieg der Gastgeber geendet hatte, drehte sich immer noch alles um eine andere Frage. Jürgen Klinsmann hat sich am Freitag entschieden, gegen Oliver Kahn und für Jens Lehmann. Gestern dann kam Klinsmann ins Weserstadion, um sechs Nationalspieler (sieben, wer Kahn noch dazuzählt) zu beobachten. Doch zur Torwartfrage äußerte sich der Bundestrainer ebenso wenig wie Kahn – im Gegensatz zu Bayern-Manager Uli Hoeneß. Er glaube nicht, dass Kahn zurücktreten werde, sagte Hoeneß. „Es gibt gar keine Veranlassung für Oliver Kahn, jetzt alles hinzuschmeißen.“

Auch die Zuschauer teilten mit, was sie von der Entscheidung hielten. Das eine Lager (Bayern) beschimpfte den Bundestrainer, die andere Fraktion (Werder) feierte ihn. Dass Kahn zudem von den Bremer Fans böse ausgepfiffen wurde, fand Miroslav Klose nicht weiter bemerkenswert. „Bayern-Spieler sind hier in Bremen allgemein nicht sehr hoch angesehen“, sagte Werders Stürmer und hielt sich mit weiteren Interpretationen zum Thema diplomatisch zurück. Klose will bei der WM spielen, da sagt man besser nichts. Andere, wie Werders Sportdirektor Klaus Allofs, waren sichtlich genervt von der Debatte. „Es wurde ja schon vorher nur noch über die Entscheidung gesprochen“, klagte Allofs nach der Partie. „Über das Spiel selbst wollte gar keiner mehr reden.“

Später durfte er dann doch noch über das Spiel sprechen. Das 3:0 stärkt zum einen Werders Position im Kampf um die Champions-League-Plätze, und es gibt dem Hamburger SV heute die Chance, mit einem Sieg gegen Borussia Mönchengladbach bis auf vier Punkte an die Münchner heranzukommen. Die Meisterschaft ist – anders als die Torwartfrage – noch nicht entschieden.

Dabei hatten die Bayern nicht so schlecht gespielt, wie es das Ergebnis vermuten ließ. „Ein sehr gutes Spiel“ hatte etwa Trainer Felix Magath gesehen. In der Anfangsphase waren beide Mannschaften bemüht, zu Torchancen zu kommen. Die größte hatte Bremens Stürmer Nelson Valdez, als er nach 15 Minuten von Klose freigespielt wurde, aber an Oliver Kahn scheiterte. Wonach dieser sich mit einer Art Judowurf beim Paraguayer bedankte (siehe Text rechts).

Dass das Spiel zugunsten der Bremer zu kippen begann, hatten sich die Münchner selbst zuzuschreiben. Doch dieses Mal war nicht Kahn schuld. Der Torwart blieb gestern fehlerfrei. Bastian Schweinsteiger war es, der den Ball nach Flanke von Klose unhaltbar für Kahn zum 1:0 für Bremen ins eigene Tor köpfte.

Zu diesem Zeitpunkt war die Führung durchaus verdient. Die Einschätzung von Werders Trainer Thomas Schaaf, dass „wir in der einen oder anderen Szene Glück hatten“, bezog sich auf das Geschehen unmittelbar nach dem Seitenwechsel. Für etwa 20 Minuten dominierte Bayern das Spiel, doch Martin Demichelis köpfte den Ball aus fünf Metern Bremens Torhüter Tim Wiese in die Arme. Eine Minute später verfehlte ein Schuss von Michael Ballack das Tor um Zentimeter.

Die Bremer dagegen machten genau das, wofür eigentlich die Bayern bekannt sind. Sie taten wenig für das Spiel, auch weil in Johan Micoud der zentrale Gestalter das Feld verletzt verlassen hatte, dann aber nutzten die Grün-Weißen die wenigen Gelegenheiten erbarmungslos. Zehn Minuten vor dem Ende schloss der Däne Daniel Jensen einen Konter zum 2:0 ab, wenig später erhöhte Tim Borowski auf 3:0. Dieses Ergebnis spiegelte den Verlauf des Spitzenspiels zwar nicht ganz wider, aber es passte zu einem Spiel, in dem der Fußball ohnehin nur Nebensache war. Auch nach dem Spiel sprach alles über Kahnlehmannklinsmann. Selbst Klaus Allofs kam doch nicht umhin, Fragen zu diesem leidigen Thema beantworten zu müssen. „Heute wurde bei Kahn jedes Augenzwinkern festgehalten und gedeutet“, sagte Allofs. „Da hat man schon Mitgefühl. Bei allen Macken, die er hat, ist er doch ein guter Torwart.“

Wenn er sich schon drei Tore einfing und das Publikum ihn auspfiff, so stieß Oliver Kahn doch wenigstens bei ein paar Bremern auf Verständnis. Und einer entpuppte sich schließlich sogar als Fan des gestürzten Titanen. Ob es Bewunderung war oder Mitleid, was Ivan Klasnic nach dem Abpfiff antrieb, blieb unbekannt. Der Bremer Angreifer lief jedenfalls zu Oliver Kahn, tätschelte diesem den Kopf und plauderte eine Weile mit dem Torwart. Was die beiden da auf dem Rasen besprachen, klärte sich später. Klasnic wurde in der Nähe der Bayern-Kabine gesehen. Als er wieder hinaus ging, soll er das Trikot mit der Nummer 1 dabei gehabt haben.

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