Sport : Ein Sieg als Nadelstich

Bayern München gewinnt 2:1 gegen Hannover 96.

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Gewinner steht, Verlierer liegt. Mario Gomez erzielt das 2:0 für den FC Bayern, Hannovers Torwart Ron-Robert Zieler hat das Nachsehen. Foto: Reuters
Gewinner steht, Verlierer liegt. Mario Gomez erzielt das 2:0 für den FC Bayern, Hannovers Torwart Ron-Robert Zieler hat das...Foto: REUTERS

Es gab verwunderte Gesichter auf der Tribüne, als der Stadionsprecher vor der Partie des FC Bayern gegen Hannover 96 die Aufstellung verlas: Mario Gomez auf der Bank. Thomas Müller auf der Bank. Dafür standen Ivica Olic und Danijel Pranjic in der Startformation. Es war nicht die einzige überraschende Maßnahme von Jupp Heynckes gewesen, Münchens Trainer hatte seinem Team am Freitag vor dem Spiel trainingsfrei gegeben nach dem kraftraubenden Einzug ins Pokalfinale unter der Woche. Es war ein gewagter Plan gegen den Tabellensiebten, doch er ging auf: Durch den 2:1(1:0)-Sieg über Hannover verkürzt Bayern den Abstand auf Tabellenführer Dortmund zumindest bis Sonntagabend auf zwei Punkte.

„Man kann nicht sechs Wochen immer mit denselben Spielern antreten“, begründete Heynckes die Rotation. Manager Christian Nerlinger sprang seinem Trainer bei, Gomez (Beckenkammprellung) und Müller (Muskelprobleme) waren ohnehin angeschlagen: „Das ist eine absolut nachvollziehbare Entscheidung, wir müssen die Belastungen verteilen.“ Hannovers Coach Mirko Slomka hatte sein Team sogar noch eifriger durchgewechselt: In der Abwehr waren Emanuel Pogatetz und Christian Pander wieder dabei, im Sturm ersetzte Mame Diouf den früheren Bayern-Spieler Jan Schlaudraff. Die Münchner aber vertrugen die Wechsel von Beginn an besser. Olic und Arjen Robben vergaben zwei gute Schusschancen, dann legte Philipp Lahm von der Grundlinie zurück zu Ribéry, der den Ball freistehend neben den Pfosten setzte.

Die Bayern schienen alles im Griff zu haben, bis in der 22. Minute Manuel Neuer patzte: Der Matchwinner vom Pokalspiel in Mönchengladbach ließ einen Rückpass von Jerome Boateng zu weit vom Fuß springen, Holger Badstuber klärte die Situation mit einer beherzten Grätsche gegen Diouf. „Der Ball ist nicht reingegangen, also muss ich mich nicht ärgern“, sagte Neuer lakonisch. Hannover wurde nun besser, genau in die Drangphase hinein aber gelang Kroos nach Hackenpass von Robben mit feinem Lupfer das 1:0. Die Bayern kontrollierten die Partie nach der Führung wieder. „Man muss der Mannschaft ein Kompliment machen, wie sie hier nach den 120 Minuten im Pokal aufgetreten ist“, sagte Manager Nerlinger.

Die Bayern hatten noch weitere Chancen: Mario Gomez, in der 61. Minute für den glücklosen Olic eingewechselt, setzte den Ball gegen den Pfosten, vom Rücken des Torwarts Ron-Robert Zieler sprang er zurück in Richtung Tor, erst Emanuel Pogatetz klärte kurz vor der Linie. In der 68. Minute erhöhte Gomez dann tatsächlich auf 2:0: Halbrechts im Strafraum tanzte er Pander aus und schob den Ball lässig ins lange Eck.

Es sah nach der Entscheidung aus, doch Didier Ya Konan verkürzte eine Viertelstunde vor dem Ende spektakulär per Fallrückzieher – und die Bayern wackelten. Diouf köpfte freistehend über das Tor, Boateng produzierte fast ein Eigentor. „Wir hätten noch einen Punkt mitnehmen können“, sagte Schlaudraff. So aber freuten sich die Münchner, den Druck auf Dortmund erhöht zu haben. Wie „ein Nadelstich“ wirke dieser Sieg auf den BVB, frohlockte Uli Hoeneß. Der FCB-Präsident blickte kampfeslustig um Wochen voraus: „Wenn wir in Dortmund gewinnen, werden wir auch Meister.“ Das ging dann selbst Christian Nerlinger zu schnell, der eher an die Partie in der Champions League nächsten Mittwoch dachte. „Wir müssen uns jetzt auf Marseille konzentrieren“, beschied der Manager.

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