Sport : Ein Sieg der Ungewissheit

Friedhard Teuffel erklärt, wie der Sport gegen Doper aufholt

Friedhard Teuffel

Kann Usain Bolt aus natürlichem Antrieb so schnell rennen? Und ist Michael Phelps von Natur aus in der Lage, sich nach einem Weltrekord blitzschnell zu erholen und den nächsten zu schwimmen? Mit solchen Fragen schien das Sportpublikum längst allein gelassen zu sein. Viele Dopingsubstanzen sind nicht nachweisbar, deshalb muss sich jeder inzwischen selbst einen Reim darauf machen, welche Leistung er einem Athleten noch abnimmt und welche er für manipuliert hält. Die Dopingfahnder konnten dem Publikum jedenfalls immer weniger zur Seite springen.

Nun kommt in diese Glaubensfragen wieder ein bisschen mehr Naturwissenschaft zurück. Das Internationale Olympische Komitee will in Peking genommene Dopingproben auftauen und noch einmal untersuchen lassen. Denn es hat mindestens ein neues Nachweisverfahren zur Verfügung. Der Sport hat also auf dem ganz einfachen Weg wieder etwas aufgeholt zu den Betrügern. Es ist der Weg, durch intensive Fahndung und Forschung gerichtsfeste Methoden zu entwickeln. Das mag unspektakulär und mühselig sein, doch es ist die einzige Chance, die der Sport selbst hat. So ist er nicht darauf angewiesen, dass sich Athleten, Trainer oder Ärzte gegenseitig verpetzen oder der Zufall zu Hilfe kommt.

So machtlos der Sport gegen die Manipulation auch immer wieder dasteht, er ist noch im Rennen. Vor allem verhalten sich Anti-Doping-Agenturen und Sportverbände auch geschickter als früher. Sie lassen die Athleten zunehmend darüber im Ungewissen, an welchen Nachweisverfahren sie gerade arbeiten. Mit dieser Unsicherheit können jetzt Athleten wie Radprofi Stefan Schumacher überführt werden. Oder – noch besser – davon abgehalten werden, überhaupt erst zu dopen.

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