Sport : Ein Sieg, der viel verspricht

Alba Berlin gewinnt das erste Finalspiel um die Basketball-Meisterschaft gegen die Baskets Bonn 78:69

Helen Ruwald

Berlin - Bobby Brown gab ein kurzes Handzeichen, dann flog er los. Der hohe und lange Pass von Immanuel McElroy erreichte ihn über dem Korb und der Spielmacher von Alba Berlin hämmerte den Ball hinein. Die 7023 Fans in der nicht ausverkauften Max-Schmeling-Halle tobten, doch für Trainer Luka Pavicevic war es nur „der kürzeste Weg, einen Schnellangriff zu beenden, es waren nur zwei Punkte“. Brown selbst war überzeugt, dass es mehr war: „Der Gegner lässt sich nach so einer Aktion hängen, und uns gibt es mehr Energie“, sagte Brown über die Aktion im letzten Viertel des ersten Play-off-Finales gegen die Telekom Baskets Bonn. Brown (19 Punkte) steuerte zum 78:69 (39:30) noch einen weiteren verrückten Wurf bei: er stolperte unter dem Korb durch, warf dann mit dem Rücken zu diesem stehend – und punktete tatsächlich. Doch Alba ging in der Best-of-Five-Serie nicht durch Kunst, sondern durch großen Kampf und konzentrierte Verteidigung in Führung. Spiel zwei findet am Mittwoch in der neuen Bonner Arena statt, Spiel Nummer drei am kommenden Sonntag erneut in Berlin.

Auf das Datum des ersten Finalspiels hatte Alba Berlin keinen Einfluss, doch es hatte Sympolcharakter. Auf den Tag genau fünf Jahre vor dem gestrigen Spiel feierte der Klub am 8. Juni 2003 den letzten Meistertitel. Fünf Jahre später gelang Albas Profis nun der erste Schritt zum nächsten deutschen Meistertitel. „Das war das erwartete Kampfspiel“, sagte Albas Geschäftsführer Marco Baldi, während Bonns Trainer Michael Koch die Erfahrung der Alba-Profis als entscheidenden Unterschied ausmachte. „Wir hatten viele leichtfertige Ballverluste, innerhalb von fünf Sekunden hat Alba dann einen Korb gemacht“, sagte er. „Albas 78 Punkte kamen durch Fehler von uns zustande und die vielen Freiwürfe.“ Nur 17 Freiwürfe bekam Bonn im ganzen Spiel zugesprochen, provozierte aber durch aggressive Spielweise 36 Freiwürfe der Berliner, davon 26 in der zweiten Halbzeit, und genau so viele konnte Alba insgesamt verwerten.

Mann des ersten Viertels war ausgerechnet ein Ex-Bonner: Aleksandar Nadjfeji machte acht Punkte in Folge, sodass Alba kurz vor Ende des ersten Abschnitts 25:17 führte. Vor allem unter dem Korb war Alba deutlich effektiver, die Trefferquote der Berliner betrug hier insgesamt 74 Prozent, bei Bonn nur 50 Prozent. Hier machte sich der Ausfall des verletzten Bonner Centers John Bowler bemerkbar. Der beweglichere Nadjfeji (19 Punkte, 8 Rebounds) hatte Vorteile gegenüber Bernd Kruel (14 Punkte, 3 Rebounds). Aus der Distanz, in den bisherigen Play-offs eine Berliner Stärke, landete dagegen nur bei zwei von 16 Versuchen der Ball im Korb.

Beim Stand von 46:38 skandierten die Berliner Fans in Erwartung der zweistelligen Führung „Nur noch zwei“. Brown hatte die Chance, ihren Wunsch zu erfüllen. Nach einem Foul von Kruel an Brown pfiff die ganze Halle, Brown lachte – und vergab zwei Freiwürfe. Kurz darauf gelang ihm mit einem Dunk auf wesentlich spektakulärere Weise doch das 48:38. Bonn gab sich nie auf, kam aber nicht auf mehr als sechs Punkte heran. Eineinhalb Minuten vor dem Ende warb der Hallensprecher für das dritte Finalspiel – dann könnte nach zwei weiteren Alba-Siegen die Meisterschaft gefeiert werden und der 15. Juni 2008 ebenso in die Geschichte eingehen wie der 8. Juni 2003.

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