Sport : Ein Sieg für die Fans

Robert Ide

Wieder hat ein Gericht über den Ticketverkauf für die Fußball- WM entscheiden müssen, wieder hat das Organisationskomitee eine Niederlage erlitten. Ein Fan aus Essen hatte bei „Ebay“ Karten ersteigert und dafür nun vom Amtsgericht Frankfurt am Main die nachträgliche Genehmigung bekommen. Die deutschen Fußballfunktionäre hatten ihm die Erlaubnis verweigert und ihm Schwarzhandel vorgeworfen.

Am liebsten wollten die WM-Organisatoren alle Fans unter Kontrolle halten. Darum wurden persönliche Daten erhoben und elektronisch auf den Tickets hinterlegt, darum steht der Name des Käufers auf den Karten, darum soll es vor Spielen Ausweiskontrollen geben. Diese Praxis ist aber mit der deutschen Rechtsauffassung von freiem Handel und Datenschutz nicht vereinbar. Vergeblich gingen die WM-Organisatoren gegen den Kartenhandel bei „Ebay“ vor, vergeblich versuchten sie, von allen Fans Gebühren zu verlangen, die sich auf Wartelisten für möglicherweise frei werdende Tickets setzen ließen. Die Proteste von Verbraucherschützern, Politik und Fans gegen die undurchsichtigen Geschäftsbedingungen wurden schließlich so massiv, dass die Organisatoren ein offizielles Ticketportal für Tausch und Rückgabe einrichteten.

Die Ironie am möglicherweise letzten Urteil in Sachen WM-Karten ist, dass ausgerechnet diese Ticketbörse die Organisatoren vor einer kompletten Revision ihres Verkaufs bewahrt hat. Der klagende Fan hat Recht bekommen, weil er bei seinem „Ebay“-Geschäft im Herbst 2005 nicht ahnen konnte, dass der offizielle Verkauf noch verbraucherfreundlicher wird. Nun ist er es: Wer eine Karte ohne Verlust loswerden will, muss sie nicht mehr versteigern. Ein Fortschritt, der auch dem Druck der Fans zu verdanken ist. Seite 2

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