Sport : Ein Sieg für die Zukunft

Die Holländer qualifizieren sich durch ein 6:0 gegen Schottland für die EM

Stefan Hermanns

Amsterdam. Er hatte sich überlegt, seinen Posten einfach aufzugeben. Nicht mehr Bondscoach der niederländischen Fußball-Nationalmannschaft zu sein, selbst wenn er die Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft geschafft hätte. Zu enttäuschend waren die letzten Wochen verlaufen. Aber kann Dick Advocaat das jetzt wirklich tun? Er hat am Mittwochabend vor 49 000 Zuschauern in der Amsterdamarena nicht nur ein Fußballspiel gewonnen, 6:0 (3:0) gegen Schottland und sich nicht nur für die EM qualifiziert. Er hat auch einen Generationswechsel vollzogen und dem holländischen Fußball wieder ein Stück Zukunft eröffnet.

Den Mut dazu hatte er ausgerechnet in dieser wichtigen Begegnung mit Schottland, nachdem doch seine Mannschaft das Hinspiel in Glasgow 0:1 verloren hatte. Advocaat ließ diesmal zwei seiner erfolgreichsten Spieler am Anfang auf der Bank sitzen, den Rekordtorschützen Patrick Kluivert und den Rekordnationalspieler Frank de Boer. Dafür schickte er den 19 Jahre alten Wesley Sneijder ins Spiel. Mit seinen 19 Jahren war er der jüngste Mann auf dem Platz. Vor allem aber überraschte er die Schotten in der 14. Minute mit einer famosen Einzelleistung. Er dribbelte sich zwischen einigen schottischen Beinen hindurch, hielt einige Gegenspieler auf Distanz, und auf einmal nahm er sich ein Herz und zog aus 20 Metern ab. Seinen Schuss konnte der schottische Torwart Robert Douglas nicht halten.

Damit hatte Sneijder aber noch nicht genug. Er bereitete auch die nächsten beiden Treffer durch André Ooijer und Ruud van Nistelrooy (32. und 37. Minute) vor, die beide per Kopfball trafen. Sneijder hatte dadurch den größten Anteil daran, dass das Spiel zur Pause schon entschieden war. Der Halbzeitstand in Amsterdam veranlasste die Zuschauer jedenfalls zu einer kleinen Gesangseinlage: „Schade, Berti, alles ist vorbei.“

Diese Strophe stimmten sie auch in der zweiten Halbzeit immer wieder an, denn es kam für die Niederländer noch besser und wurde für die Schotten und ihren Trainer Berti Vogts noch grausamer. Nur wenige Minuten nach dem Anpfiff traf wieder van Nistelrooy (51.), in der 64. Minute köpfte dann der eingewechselte Frank de Boer zum 5:0 ein. Sein Tor erschien wie eine Versöhnungsgeste zwischen den älteren, oft kritisierten Spielern, dem jungen Teil der Mannschaft und Trainer Advocaat.

Nur drei Minuten nach de Boer traf wieder van Nistelrooy – zum dritten Mal in diesem Spiel. Er wurde anschließend ausgewechselt, Patrick Kluivert durfte für ihn ins Spiel. Auch diesen Schritt schien Advocaat sich genau überlegt zu haben. Zur Harmonie im Stadion trug die Einwechslung zwar erst einmal nicht bei: Die Zuschauer pfiffen Kluivert aus. Aber sie war sicher für die Harmonie in der Mannschaft gut.

Den Sieg, der auch eine persönliche Genugtuung für ihn gewesen sein wollte, quittierte Advocaat mit einem geschäftsmäßigen Lächeln und kollegialen Schulterklopfern für seine erfolgreichen Spieler.

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