Sport : Ein Sieg gegen den Plan

Fabian Schönheim schießt Union zum 2:0 in Dresden.

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Neue Qualität. Schönheim (r.) erzielte seine ersten beiden Tore für Union. Foto: dpa
Neue Qualität. Schönheim (r.) erzielte seine ersten beiden Tore für Union. Foto: dpaFoto: dpa

Dresden - Unterschiedlicher konnten die Reaktionen nicht sein. Auf der einen Seite des Stadions wurden die Spieler des Zweitligisten Dynamo Dresden nach der 0:2 (0:1)-Niederlage gegen den 1. FC Union von ihren eigenen Fans ausgepfiffen, vor dem Gästeblock herrschte dagegen Jubel, Trubel, Heiterkeit. Ausgelassen feierten die Union-Profis mit ihren mitgereisten 2500 Fans den prestigeträchtigen Sieg in Sachsen. Auf den Rängen blieb alles ruhig, etwaig befürchtete Ausschreitungen blieben aus.

Vier Tage zuvor in Offenbach war das Klima zwischen Fans und Spielern noch ein ganz anderes. Nach der 0:2-Niederlage beim Drittligisten im DFB-Pokal mussten sich die Akteure einiges anhören. Auch Trainer Uwe Neuhaus war mächtig bedient und hatte Konsequenzen angekündigt. Doch nach dem Erfolg vor 29 452 Zuschauern in Dresden schien Neuhaus zumindest von der Körpersprache her wieder etwas milder gestimmt zu sein. „Ich bin sehr zufrieden mit dem ersten Auswärtssieg der Saison – und das nach einer Woche, die für uns denkbar schlecht begonnen hat“, sagte Neuhaus. „Die Unsicherheit war bei uns vor dem Treffer zum 1:0 zu spüren.“

Saisonübergreifend war es der erste Auswärtssieg nach neun vergeblichen Anläufen. Zudem überstand Union endlich mal wieder ein Auswärtsspiel ohne Gegentor. Dies hatte zuvor in 25 Begegnungen in Folge nicht geklappt.

Nach dem Debakel von Offenbach hatte Neuhaus positionell einiges durcheinandergewirbelt, um die von ihm geforderten kämpferischen Tugenden besser wirken lassen zu können. Talent Björn Jopek rückte vom linken Mittelfeld neben Markus Karl auf die erstmals in dieser Spielzeit praktizierte Doppelsechs. Patrick Zoundi spielte anstelle von Quiring auf der rechten Außenbahn. Im linken Mittelfeld kam völlig überraschend Fabian Schönheim zum Einsatz, der im Sommer als Innenverteidiger von Erstligist Mainz 05 ausgeliehen worden war. „Wir wollten mit diesen Maßnahmen die Defensive stärken“, sagte Neuhaus. „Und die Idee, dass Fabian Schönheim auf links spielt, hatte André Hofschneider.“ Der Plan des Co-Trainers ist auf jeden Fall aufgegangen. Denn Schönheim avancierte zum Matchwinner, gerade weil er sich an die defensiven Vorgaben des Trainerstabes in zwei Situationen nicht wirklich hielt. Bereits nach 14 Minuten erzielte er nach Zuspiel von Markus Karl an der Strafraumgrenze das 1:0. Beim 2:0 nach 54 Minuten vollendete Schönheim eine Kombination über Silvio und Patrick Zoundi. „Zwei Tore habe ich, glaube ich, zuletzt in der F-Jugend gemacht“, sagte Schönheim. Für die Leihgabe von Mainz 05 war es auch das Ende einer Leidenszeit. In Ingolstadt hatte er mit einem Fehler das entscheidende Tor zum 1:2 verursacht. Beim 1:1 bei Erzgebirge Aue war ihm ein Eigentor zum 1:1-Endstand unterlaufen. Und gegen Energie Cottbus (3:1) musste Schönheim nach einer Roten Karte vom Platz. „Ich habe mich nicht unterkriegen lassen und in der Zeit meiner Sperre Extraschichten gemacht“, sagte Schönheim mit einem Lachen auf dem Gesicht. „Der ist doch nur zwei Mal blind gegen den Ball gelaufen“, bemerkte Kapitän Torsten Mattuschka flapsig, der trotz gesundheitlicher Probleme fast bis zum Schluss durchgehalten hatte. Der Spaß bei Union ist wieder da. Nun muss er mit weiteren Erfolgen am Leben gehalten werden. Matthias Koch

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