Sport : Ein Sieg gegen den Verband

Felix Meininghaus[Ernst Podeswa]

Wenn es nach der Deutschen Eislauf-Union (DEU) gegangen wäre, hätte es die Deutschen Paarlaufmeister Sarah Jentgens/Mirko Müller nicht gegeben. Doch weil sich Müller von diesem "Schlag ins Gesicht" nicht umwerfen ließ und Sarah Jentgens hartnäckig blieb, wurden sie gestern belohnt. Und als Titelträger bei den 100. Deutschen Meisterschaften im Erika-Hess-Stadion geehrt. Dahinter landeten ihre Klubkollegen vom SC Berlin, Mariana Kautz/Norman Jeschke, und Nicole Nönnig/Matthias Bleyer (Chemnitz). Die Berliner werden nun die DEU bei der EM Mitte Januar in Lausanne vertreten, wo für mindesten Platz acht einem Duett das Ticket zu den Olympischen Spielen im Februar in Salt Lake City winkt.

Für den 27-jährigen Müller war es der vierte Titelgewinn, für die 19-jährige Jentgens der erste beim ersten Auftritt als Paarläuferin. "Es war auch ein Sieg gegen die DEU", sagte die Kölnerin, "und es war richtig zusammen zu bleiben." Die Breitseite gegen den Verband basiert auf dessen Ankündigung im Mai, man wolle das Paarlaufprojekt Jentgens/Müller nicht mehr unterstützen. Die Fortschritte der Einzelläuferin aus Köln seien zu gering. Doch jene hatte sich erst im August 2000 zum Wechsel nach Berlin, zu Trainer Knut Schubert und zum Einstieg in den Paarlauf überreden lassen.

Geradezu schockiert vom Vertrauensentzug durch die DEU war seinerzeit Müller. Nach der gesundheitlich bedingten Trennung von Peggy Schwarz, mit der er 1998 WM-Dritter werden konnte, sah er nun das Aus seiner Zukunft als Eisläufer. Versuche mit anderen Mitläuferinnen waren danach gescheitert. Dann hatte er auf Initiative von Schubert sportliche Bande zur Kölnerin geknüpft. "Die ist gut, die läßt sich leicht werfen", bestärkten die DEU-Funktionäre anfangs die Wahl. Doch dann zeigte sich, dass passable Einzelsprünge und geringes Gewicht nicht genügten für anspruchsvolle Hebungen und Dreifach-Wurfelemente. "Wir mussten erst Sarahs Athletik monatelang aufbauen, ehe wir die Elemente üben konnten", sagt Müller. Es sei "mutig" vom Trainer und der Trainingsgruppe gewesen zu entscheiden, "wir bleiben bei Sarah". Jene bedankte sich gestern, in dem sie alles in ihren Kräften Stehende tat, "nicht das Gesamtbild durch Stürze zu stören". Weil das im Gegensatz zur Konkurrenz gelang, konnten sie sich auch dank ihres eleganten Laufstils durchsetzen. "Es ist nicht alles nach Wunsch gelaufen", sagte Müller, "aber jetzt haben wir vier Wochen Zeit bis zur EM, um diesen oder jenen Wackler auszubügeln." Das EM-Ticket bei den Damen dürfte an die zweitplatzierte Andrea Diewald (München) fallen, weil die Meisterin Katharina Häcker aus Mannheim mit 14 Jahren noch zu jung ist.

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