Sport : Ein Sieg zur Beruhigung

Die deutschen Hockeyspieler starten mit einem 5:1 über Schottland in die Europameisterschaft in Leipzig

Stefan Hermanns[Leipzig]

Eigentlich mag es Bernhard Peters gar nicht, wenn sich seine Spieler nicht an seine Anweisungen halten. Der Bundestrainer der deutschen Hockey-Nationalmannschaft kann dann sehr ungemütlich werden. „Viel Geduld“ hatte Peters von seinem Team für das Auftaktmatch der Europameisterschaft gegen Schottland gefordert. Stattdessen stürmte die Mannschaft ungestüm nach vorne. „Gerade am Anfang waren wir voll da“, sagte Kapitän Timo Weß. Schon in der zweiten Minute traf Christopher Zeller nach der ersten Strafecke das Lattenkreuz des schottischen Tores, in der vierten Minute erzielte er das 1:0, und wiederum nur drei Minuten später traf Björn Emmerling bereits zum 2:0. Am Ende feierten die deutschen Männer vor 3000 Zuschauern in Leipzig einen ungefährdeten 5:1-Erfolg.

„Es hat unserer Mannschaft gut getan, so klar zu gewinnen“, sagte Peters. Das 5:1 war auch ein Sieg gegen die eigenen Zweifel. Zuletzt wussten die Deutschen nicht richtig einzuschätzen, wo sie überhaupt stehen. Der Bundestrainer hatte vor der EM viele junge Spieler getestet – mit bescheidenem Erfolg. Bei der Rabo Trophy in Amsterdam verloren die Deutschen zuletzt 1:4 gegen Spanien, 0:5 gegen Pakistan und 0:5 gegen Holland. Und obwohl in Leipzig eine ganz andere Mannschaft spielt, sind die Niederlagen den deutschen Spielern ein bisschen aufs Gemüt geschlagen. Letzte Sicherheit über den wahren Leistungsstand lieferte auch der gestrige Auftritt nicht. „Der Gegner war nicht so stark, dass er uns in allem gefordert hätte“, sagte Peters.

Die deutsche Mannschaft begann furios, ließ ihren Gegner dann aber etwas besser ins Spiel kommen und kassierte in der 20. Minute durch Mark Ralph nach der ersten Strafecke den Anschlusstreffer. Große Hoffnungen auf eine Überraschung durften sich die Schotten trotzdem nicht machen. Der Berliner Florian Keller verwertete noch vor der Pause die vierte Strafecke zum 3:1, Tibor Weißenborn erhöhte mit einem Abstauber auf 4:1 (39.), und nach einer eher zurückhaltenden zweiten Halbzeit gelang Keller eine Minute vor dem Ende mit seinem zweiten Tor noch das 5:1. Für die Öffentlichkeit war Bundestrainer Peters anschließend zufrieden mit Spiel und Ergebnis, „intern werden wir über die zweite Halbzeit aber noch differenzierter zu reden haben“.

Obwohl die Deutschen als Titelverteidiger in das Turnier gehen, sind sie nicht der große Favorit. „Wir haben uns als Ziel gesetzt, das Halbfinale zu erreichen“, sagt Timo Weß. Der Kapitän ist rechtzeitig zum ersten Spiel wieder fit geworden, nachdem er sich vor sechs Wochen einen Mittelfußbruch zugezogen hatte.

Für die Deutschen ist die EM so etwas wie eine Station zwischen den Olympischen Spielen in Athen und der Weltmeisterschaft in Mönchengladbach im kommenden Jahr. Die Mannschaft befindet sich im Umbruch. Von den 18 Spielern des deutschen Kaders ist die Hälfte 23 und jünger, fünf von ihnen spielen zum ersten Mal bei einer großen Meisterschaft. Andere Teams sind den Deutschen in dieser Hinsicht voraus. „Das spanische Team ist exakt das gleiche wie vor einem Jahr in Athen“, sagt Peters. „Und Holland ist nur auf zwei Positionen verändert. Diese Mannschaften sind zwangsläufig erfahrener.“

Die Favoriten hatten mit ihren Gegnern gestern allerdings weit mehr Schwierigkeiten als die Deutschen mit den Schotten. Holland hatte beim 5:4 gegen Frankreich Glück, dass die Franzosen in letzter Minute eine Strafecke nicht verwerten konnten. Die Spanier mühten sich zu einem knappen 2:1-Erfolg gegen Polen.

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