Sport : Ein Sieg, zwei Erfolge

Griechenland qualifiziert sich in der Türkei

Andreas Morbach

Berlin – In großen Momenten kann ein bisschen Übertreibung nicht schaden. Das dachte sich wohl das Kamerateam des ZDF, das am Mittwochabend um kurz nach zehn Uhr Ortszeit Ioannis Amanatidis verzweifelt hinterherstürzte. Der griechische Nationalstürmer hatte seinen Landsleuten mit dem 1:0-Siegtreffer im EM-Qualifikationsspiel in der Türkei einen besonderen Augenblick beschert: Sein Heber, elf Minuten vor dem Ende aus dezenter Abseitsposition heraus ausgeführt, kürte Griechenland zum Teilnehmer an der EM-Endrunde.

„Herr Amanatidis, der erste Sieg einer griechischen Mannschaft in der Türkei – was sagen Sie dazu?“, fragte der Reporter, als er den Torschützen endlich gestellt hatte. „Wurde ja auch Zeit“, fiel dem Frankfurter ein, dann flüchtete er sofort durch einen Tunnel aus Sicherheitskräften ins Innere des Ali-Sami-Yen-Stadions von Istanbul. Der erste Erfolg auf dem Boden der einstigen Besatzungsmacht war es dann aber doch nicht ganz. 1952, stellten griechische Fußball-Statistiker klar, habe eine Hellenen-Auswahl zuletzt in der Türkei gewonnen. Doch auch 55 Jahre schmerzen, vor allem wenn man sich, wie die Elf von Trainer Otto Rehhagel, gegen den Nachbarn vor sieben Monaten eine 1:4-Heimpleite erlaubt hat.

Für den Nationaltrainer aus Deutschland waren die Tage danach die schwierigsten in seinen bislang sechs Jahren in Griechenland. Er habe, lautete die Kritik, zu lange an seinen Europameistern von 2004 festgehalten. Und siehe da, der sonst eher starrköpfige Rehhagel reagierte. Der 69-Jährige baute nach und nach jüngere Spieler wie Amanatidis (25), Theofanis Gekas (27), Vassilis Torosidis (22) oder Georgios Samaras (22) in seinen Kader ein. „Meine Mannschaft hat mit Herz und Verstand gespielt“, sagte Rehhagel, „mit dem Sieg haben wir zwei Ziele erreicht: die Revanche und die Qualifikation.“ Eine im Übrigen lukrative Qualifikation: Gut 150 000 Euro pro Spieler gibt es vom Verband für die Griechen, die es bislang zwar nur zu einer Weltmeisterschaftsendrunde (1994) schafften, jetzt aber zum dritten Mal nach 1980 und 2004 an einer Europameisterschaft teilnehmen werden.Andreas Morbach

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