Sport : Ein später Gruß von Woronin

Dank des ehemaligen Leverkuseners und eines überragenden Drobny gewinnt Hertha 1:0 bei Bayer

Claus Vetter[Leverkusen]

Viel war von Andrej Woronin am Sonnabend in der Leverkusener Arena nicht zu sehen. Jedenfalls nicht 88 Spielminuten lang. Dann aber baute sich der ukrainische Stürmer in Diensten von Hertha BSC seine ganz große Bühne – gegen seinen ehemaligen Verein. Als die ersten der 22 500 Zuschauer schon die Leverkusener Stadionumbaustelle verließen, weil sich das bis dahin torlose Bundesliga-Spiel zwischen Bayer und Hertha zu einem belanglosen 0:0-Endstand auszutrudeln schien, umkurvte Woronin zwei Gegenspieler im Leverkusener Strafraum und setzte dann einen eleganten Schuss rechts unten ins Leverkusener Tor. Schuss, drin und Jubel? Nein, Woronin feierte seinen Treffer sehr verhalten, die Arme waren schnell wieder unten. Dafür jubelten seine Mannschaftskollegen wenig später sehr ausgiebig: Hertha hatte 1:0 (0:0) gewonnen. In einem Spiel, in dem die Berliner zunächst nur mit viel Glück und einem herausragenden Jaroslav Drobny im Tor das 0:0 verteidigt hatten.

Der große Moment des Andrej Woronin war so ein Moment, der Hertha in dieser Saison bislang gefehlt hatte. Es war die eine grandiose Aktion im Spiel, ein erstaunlicher Endspurt zu einem wichtigen Sieg – auch zu einem kleinen Sieg gegen das eigene Image der Berliner. Ihnen wird ja oft nachgesagt, dass sie zu selten für positive Überraschungsmomente sorgen. Endlich einmal war Hertha am Sonnabend Erlebnisfußball – in mehrfacher Hinsicht. Denn mit einem grandios parierenden Torwart Drobny hatten die Berliner den Gegner zunächst so richtig verärgert und Leverkusens Trainer sogar ordentlich genervt. „Es ist doch bitter, wenn die Mannschaft, die offensiv spielt am Ende nicht gewinnt“, schimpfte Bruno Labbadia. Nun würde jeder davon reden, dass Hertha klug und abgezockt agiert habe. Das sei doch Quatsch.

Zumindest war es für die Berliner am Sonnabend erfolgreicher Quatsch: Herthas Marschroute für die erste Halbzeit war leicht erkennbar gewesen: Die ersatzgeschwächte Berliner Mannschaft wollte sich mit aller Kraft ein 0:0 ermauern. Dass dies auch klappte, war ein mittelschweres Wunder. Denn die Zuschauer, die im ersten Durchgang auf den Plätzen der Leverkusener Hälfte saßen, hatten Pech. Das Spiel fand vorrangig am Berliner Strafraum statt. Die Leverkusener spielten ein einziges Powerplay, schon nach 20 Spielminuten lautete das Eckenverhältnis 7:0 für Bayer.

Dass keine Tore fielen, lag allein am schlampigen Abschluss der Gastgeber. Schon nach wenigen Sekunden hätte Patrick Helmes das 1:0 erzielen können, doch sein Schuss ging am rechten Torpfosten vorbei. Tranquillo Barnetta, Henrique und Manuel Friedrich hatten danach ebenfalls beste Möglichkeiten, doch sie scheiterten allesamt an Jaroslav Drobny. Zur Freude von Hertha frustrierten die Leverkusener nach einer halben Stunde zusehends an der Ineffektivität ihres eigenen Treibens. Deshalb wurde das Spiel ausgeglichener. Leverkusens Mannschaftskapitän Simon Rolfes sah es auch so: „Wir haben die Berliner aufgebaut mit unseren ausgelassenen Chancen.“

Wieder einmal zeigte sich in der zweiten Halbzeit, dass Hertha in dieser Saison besonders gerne auswärts spielt. Da können die Berliner die Aktionen des Gegners abwarten und reagieren: Schon vor Woronins Tor gab es gegen immer schwächer werdende Leverkusener einige Offensivaktionen. „Da hätten wir gut und gerne ein Tor erzielen können“, fand Herthas Manager Dieter Hoeneß. Daher sei der Sieg auch verdient.

Nun gut, mit dem 1:0-Sieg beim Bundesliga-Spitzenteam Leverkusen war Hertha BSC am Sonnabend sehr gut bedient, was selbst Trainer Lucien Favre zugeben wollte. „In der ersten Halbzeit haben wir sehr viel Glück und einen herausragenden Drobny im Tor gehabt“, sagte der Schweizer. Und dank Woronins Treffer kam schon der dritte Berliner Auswärtssieg im vierten Punktspiel heraus – eine erstaunlich gute Bilanz, die den Berlinern vielleicht sogar den Weg aus dem Tabellenmittelmaß verspricht. Mit dem Gefühl, dem eigenen, mitunter grauen Klub-Image auch mal einen Haken geschlagen zu haben, lässt es sich für Hertha ausgeruht in die Länderspielpause in der kommenden Woche gehen.

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