• Ein "Spätstarter" ist zurzeit der erfolgreichste von vier deutschen Eishockeyspielern in der NHL

Sport : Ein "Spätstarter" ist zurzeit der erfolgreichste von vier deutschen Eishockeyspielern in der NHL

Günter Klein

Olaf Kölzig ist Eishockeytorwart, "Olie the goalie" sein Künstlername. In Amerika ist die Nummer eins der Washington Capitals so populär, dass ihn die werbende Wirtschaft für Fernsehspots entdeckt hat. Seit ein paar Wochen kann man Kölzig auf der Mattscheibe sehen: Er sitzt mit Frau in einem feinen Restaurant, bringt einen schönen Trinkspruch aus und gießt sich dann die Flasche Rotwein über den Kopf - so wie er es im Spiel mit Wasser macht. Botschaft: Man ist in jeder Lebenslage Eishockeyspieler. Den Spot hat man auch in Deutschland kopiert - mit den Bayern-Fußballern Scholl und Effenberg.

Olaf Kölzig ist der populärste Deutsche in der National Hockey League (NHL) - aber nicht der erfolgreichste. Mit den Washington Capitals ist er schon in der ersten Play-off-Runde an den Pittsburgh Penguins gescheitert. Jochen Hecht ist immer noch dabei. Der Mannheimer stürmt seit zwei Jahren für die St. Louis Blues und macht zurzeit in den Play-offs von sich reden. Beim 6:2-Sieg am Sonntag über die San Jose Sharks wurde Hecht mit einem Tor und drei Vorlagen notiert. In der Play-off-Scorerliste liegt er mit vier Treffern und sechs Vorlagen zusammen mit Superstar Jaromir Jagr (Pittsburgh) auf Platz eins.

Jochen Hecht ist ein Spätstarter. Vor vier Jahren schon hatten sich die St. Louis Blues die Rechte an dem Mittelstürmer gesichert, doch Hecht brachte noch zwei Jahre in der Heimat bei Mannheims Adlern zu. Zögerlichkeit erkannten seine Kritiker darin, für ihn war es "Absicht. Ich wollte mich in der deutschen Liga weiter entwickeln." Als er dann 1998 den Schritt in die USA tat, glaubte kaum mehr jemand an gutes Gelingen. "Der steht bald wieder bei uns auf der Matte", tippte Adler-Manager Marcus Kuhl - und irrte.

Nach einem Lehrjahr im Farmteam stieg Hecht in den Play-offs 1999 in den NHL-Kader auf und etablierte sich rasch. Heute sagt Hecht, "dass Markus sich wohl überlegen muss, was er da rausgehauen hat" und gibt zu erkennen, dass ihn Mannheims Schicksal ziemlich kalt lässt: "Ich habe mir aus dem Internet die Play-off-Ergebnisse geholt, aber der Klub ist schon zu weit weg von mir, ich kenne in der Mannschaft kaum mehr jemanden."

Näher steht ihm da schon Marco Sturm. Der Ex-Landshuter, 15 Monate jünger als Hecht, hatte den Weg in die NHL noch schneller gefunden, schließt schon seine dritte Saison ab und ist bei den San Jose Sharks eine feste Größe. Mit Hecht verband ihn wenig, nicht einmal die Telefonnummern hatten sie voneinander. Seit einer Woche haben sie nun fast täglich miteinander zu tun - in den Play-offs. Nach sechs Spielen im Achtelfinale steht es 3:3. Das alles entscheidende Spiel steigt heute in St. Louis.

Von solchen Auftritten kann Erich Goldmann nur träumen. Auch die dritte Saison, die der 23-jährige Verteidiger in Nordamerika zubringt, hat den ersehnten Durchbruch nicht gebracht. Zwar schaffte er es im November in die erste Mannschaft der Ottawa Senators, doch das Glück war von kurzer Dauer. Im ersten NHL-Spiel verletzte er sich am Knie. Seit der Rekonvaleszenz absolviert der Verteidiger das übliche Programm: die Reise durch die Farmteams. Detroit Vipers, Long Beach Ice Dogs, Grand Rapids - Goldmann spielte diese Saison für drei Klubs in der International Hockey League.

In Deutschland hat er nie eine hohe Wertschätzung erfahren, 1997, vor seinem Wechsel nach Ottawa, einfach keinen DEL-Klub gefunden. Doch sein Stil passt besser zum nordamerikanischen Eishockey, "da muss der Verteidiger halt einfach die Scheibe hinten raushauen", wie der deutsche Bundestrainer Hans Zach sagt. Er wirkt nicht sehr überzeugt von Goldmann - gleichwohl gilt auch für ihn die Empfehlung NHL: "Wer dort spielt, ist in der Nationalmannschaft gesetzt."

Auch Uwe Krupp wäre in der Nationalmannschaft willkommen - wenn er noch einmal gesundheitlich den Anschluss schaffen sollte. Seit eineinhalb Jahren ist der Verteidiger krank geschrieben - eine Nervengeschichte im Rücken. Die Detroit Red Wings haben ihn suspendiert. Krupp wird vorgeworfen, trotz Verletzung an einem Schlittenhunderennen teilgenommen zu haben. "Bei solchen Veranstaltungen war ich immer zum Wohle des Vereins beteiligt", sagt Krupp. "Ich habe dort für die Red Wings repräsentiert, Trikots von mir versteigert, damit der Klub zu Geld kam."

Ansonsten nimmt er die Geschehnisse kühl zur Kenntnis: "Das hat nichts mit der Mannschaft oder dem Trainer zu tun, die Finanzleute wollen Geld sparen, weil sie es versäumt haben, meinen Vertrag zu versichern." Was die Zukunft bringt? Krupp könnte sich eine Tätigkeit für die Nationalmannschaft vorstellen, womöglich in beratender Funktion für die Weltmeisterschaft 2001 in Deutschland. "Ausschließen", sagt er, "will ich gar nichts."

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