Sport : Ein Spiel dauert zehn Minuten

Mit zwei frühen Toren führt Michael Ballack den FC Bayern zum 3:1-Pokalsieg gegen Kaiserslautern

Sven Goldmann

Berlin. Das Spiel war gerade einmal zehn Minuten alt, da wusste Erik Gerets schon nicht mehr weiter. Der Trainer des 1. FC Kaiserslautern erhob sich von seiner Betreuerbank im Berliner Olympiastadion, ging langsam zum Spielfeldrand, blickte auf den Rasen und schüttelte den Kopf. Noch 80 Minuten waren an diesem Samstagabend zu spielen im 60. Finale um den DFB-Pokal. Noch 80 Minuten waren zu spielen zwischen den Pfälzern und dem bereits als Meister feststehenden FC Bayern München – und die Bayern führten bereits 2:0. Am Ende gewannen die Münchner 3:1 – ein souveräner Sieg in einem wenig aufregenden, seltsam stillen Endspiel.

Nationalspieler Michael Ballack hatte in der Anfangsphase die ersten beiden Tore geschossen und das Spiel vor 70490 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion früh entschieden. In der zweiten Halbzeit konnte Claudio Pizarro das Ergebnis noch erhöhen, den Anschlusstreffer für Kaiserslautern erzielte Miroslav Klose kurz vor Schluss. Nach Spielende feierten die bayerischen Fans den elften Pokalgewinn ihres Vereins, der sich damit nicht nur Rekordmeister nennen darf, sondern auch Rekordpokalsieger. Bundespräsident Johannes Rau wusste solch epochale Leistung mit einer stilvollen Pokalübergabe zu würdigen.

Nach nicht einmal drei Minuten waren die taktischen Vorgaben von Gerets an seine Mannschaft kaum noch etwas wert. Eine kontrollierte Offensive mit den kopfballstarken Spitzen Vratislav Lokvenc und Miroslav Klose – das sollte es sein. Doch nach einem Freistoß des souverän auftretenden Münchner Mittelfeldspielers Owen Hargreaves und einem anschließenden Kopfball von Ballack lag der Ball im Tor von Lauterns Keeper Tim Wiese. Und Lokvenc, der in der eigenen Abwehr die Übersicht verloren hatte, blickte depremiert zum Boden.

Nur ein paar Minuten später war es wieder Hargreaves, der einen Münchner Treffer vorbereitete. Seinen Sturmlauf in den Lauterer Strafraum konnte Bill Tchato nur durch ein Foul stoppen. Der Berliner Schiedsrichter Lutz-Michael Fröhlich entschied zu Recht auf Strafstoß. Den fälligen Elfmeter verwandelte Ballack erneut. Und Gerets stand am Spielfeldrand und schüttelte den Kopf.

Der Rest der ersten Halbzeit war kontrollierte Langeweile. Die Bayern zogen sich zurück, taten nichts mehr für die Unterhaltung des Publikums. Die Lauterer dagegen, die sich in der Rückrunde der Bundesliga mit viel Kampfgeist den Klassenerhalt gesichert hatten, stolperten ideenlos über den Platz. Ein Kopfball von José Dominguez, der am Tor von Münchens Schlussmann Oliver Kahn vorbeistrich, sowie ein erfolgloser Versuch des 33 Jahre alten Abwehrspielers Harry Koch in seinem letzten Spiel für Kaiserslautern – das war alles, was die Zuschauer zu sehen bekamen. Und so war das einzig Erfreuliche für die aus der Pfalz angereisten Fans, dass ihre Tribüne in der ersten Halbzeit von der Abendsonne bestrahlt wurde.

In der zweiten Hälfte lag auch diese Fankurve im Schatten – und die Lauterer Anhänger verstummten endgültig. Fünf Minuten waren nach dem Seitenwechsel absolviert, als Claudio Pizarro mit dem Ball auf den Strafraum der Lauterer zulief. Zuerst spielte er Hervé Nzelo Lembi den Ball durch die Beine, dann lupfte er die Kugel über den herausstürmenden Torwart Wiese ins Netz. Fortan stand es 3:0, und die Spieler und Fans aus Kaiserslautern gaben endgültig auf.

Nur die Anhänger des FC Bayern feierten ihre Mannschaft, die weiter auf das Tor zustürmte und sich noch gute Chancen durch Pizarro, Ballack und Giovane Elber erarbeiten konnte. Und während die Münchner das Lied „Oh, wie ist das schön“ intonierten, drehten die Fans aus Kaiserslautern ihren Spielern den Rücken zu. Sie wandten sich erst wieder dem Rasen zu, als Kaiserslauterns Stürmer Miroslav Klose mit einem Kopfball den Spielstand etwas korrigieren konnte. Die Lauterer spielten zu diesem Zeitpunkt nur noch mit zehn Mann – Marian Hristov musste nach einem unnötigen Foul an Elber an der Mittellinie den Platz verlassen. Die Reaktion der Lauterer war symbolisch für ihr gesamtes Spiel: Sie reagierten nicht.

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