Sport : Ein Sprint zur falschen Zeit

Mailand – San Remo: Drei Italiener vorn / Zabel irrt sich

Hartmut Scherzer

San Remo. Nach dem Spurt auf der Via Roma machte Erik Zabel kehrt in Richtung Siegerpodest. Der viermalige Sieger bei Mailand – San Remo dachte, er sei bei der 94. Auflage des Radklassikers im Massenspurt Dritter geworden. Diesmal zwar bezwungen von zwei Italienern, vom Weltmeister Mario Cipollini an dessen 36. Geburtstag und Dario Pieri, aber immerhin auf dem Podium platziert. Erst an der Gittertür zur Siegerehrung erfuhr Zabel, dass die Podiumsplätze bereits für drei andere Italiener reserviert waren. „Ich habe gar nicht gewusst, dass da noch welche weg waren", sagte Zabel, der Sechster wurde. Bevor der Kapitän vom Team Telekom gespurtet war, hatte es schon einen Dreiersprint gegeben. Nach 297 Kilometern siegte Paolo Bettini aus dritter Position vor Mirko Celestino und Luca Paolini. Erst elf Sekunden später flog das Hauptfeld mit Cipollini, Pieri und Zabel heran.

Die Vorentscheidung war an den beiden Steigungen in der Endphase des Rennens gefallen, an der Cipressa, 25 km vor dem Ziel, und am Poggio, acht Kilometer vor der Via Roma. Jedesmal traten da die Allrounder an, um das Feld zu sprengen und vor allem, um die Sprinter abzuhängen. Celestino griff als Erster an. Bettini, der 29-jährige Weltcupsieger des vergangenen Jahres lancierte die Verfolgung. Alexander Winokurow (Telekom), Davide Rebellin (Gerolsteiner) und Ex-Weltmeister Oscar Freire aus Spanien schlossen sich an. Doch das Quintett kam nie weiter als 15 Sekunden weg und wurde eingeholt.

„Wenn Winokurow sich an der Tempoarbeit beteiligt hätte, wären wir weg gewesen", behauptete Rebellin hinterher. Dabei hatte der Kasache Winokurow von Zabel freie Fahrt bekommen, hätte sich nicht für ihn zurückhalten müssen. Am Poggio versuchte auch Danilo di Luca sein Glück, aber letztlich war es Bettini, der beim ersten Weltcuprennen der Saison belohnt wurde.

Vierzig Kilometer vor dem Ziel war es zuvor auf einer Abfahrt zu einem folgenschweren Sturz gekommen. Elf Tage nach dem Tod des Kasachen Andrei Kiwilew bei einem Profiradrennen erwischte es den Slowenen Martin Derganc. Der Helfer von Cipollini lag fünf Minuten lang regungslos auf der Straße. Im ärztlichen Bulletin hieß es hinterher, dass die schnelle ärztliche Hilfe ihn gerettet habe. Derganc erlitt eine Gehirnerschütterung.

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