Sport : Ein Stadion für einen Euro

Der 1. FC Union will eine Billiglösung für die Alte Försterei

Karsten Doneck

Berlin. Was lässt sich mit einem Euro anstellen? Naschkatzen, zum Beispiel, könnten das Geld für einen Schokoriegel ausgeben. Der 1. FC Union würde das wohl für die reinste Verschwendung halten. Der Zweitligist denkt eben in anderen Dimensionen. Union will – allen Ernstes – für einen Euro gleich ein ganzes Fußballstadion kaufen. „Wir streben den Kauf des Stadions an der Alten Försterei zu einem symbolischen Preis an, beispielsweise für einen Euro. Das wäre die sauberste Lösung“, sagt Klubpräsident Heiner Bertram. Der Verein plant seit langem, die marode Heimspielstätte in eine moderne Arena umzuwandeln.

Baubeginn soll nach Unions Vorstellungen schon im Sommer nächsten Jahres sein. Während des Umbaus der Alten Försterei würde die Mannschaft im bei den Fans verhassten Jahnsportpark spielen. „Anders geht das nicht“, sagt Bertram, eventuellem Fanprotest vorbeugend. Von der bisher gehegten Hoffnung auf eine staatliche Bezuschussung des 25 Millionen Euro teuren Bauvorhabens rückt der Union-Präsident ab. „Die öffentlichen Kassen sind leer. Wenn ich da Geld fordere, kommen die Leute doch damit, dass ihre Kita gerade eben geschlossen worden sei.“ Bertram hat sich deshalb ausgiebig mit den Möglichkeiten einer privaten Finanzierung beschäftigt. „Ich weiß jetzt, das ist machbar“, sagt Bertram. Union müsste nach der Übernahme des Stadions einen Kredit bei den Banken für das anschließende Bauvorhaben beantragen. Mit der Sicherheit des Stadions im Hintergrund sollte die Kreditaufnahme wenige Probleme bereiten. Wobei Union weiterhin auf Fördermittel aus dem EU-Topf hofft.

Nun zahlt Union aber bereits ein Darlehen an den ehemaligen Geldgeber Michael Kölmel zurück. Derzeit sind da noch über acht Millionen Euro offen. Kann sich Union das Abzahlen eines weiteren Millionenkredits überhaupt leisten? Bertram sagt: „Wir hätten im neuen Stadion durch den Verkauf von 17 Logen und etlichen Business-Seats pro Saison zwei bis drei Millionen Euro Mehreinnahmen. Das ermöglicht locker die Finanzierung.“ Vage besteht sogar die Chance, um die vollständige Rückzahlung der Kredite an Kölmel herumzukommen. Dessen Unternehmen, Sportwelt und Kinowelt, sind insolvent, die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Der Stadionneubau beschäftigt längst auch die Politik. „Wir stehen in dieser Angelegenheit hinter allem, was machbar ist. Aber die Sache muss seriös und finanziell abgesichert sein“, sagt Joachim Stahr, der Sportstadtrat des Bezirks Treptow/Köpenick. Union möchte von dem gesamten Sportgelände in der Wuhlheide nur einen Teil erwerben, und zwar exakt jene Grundstücksfläche, die zum Bau der neuen Arena als Minimum ausreicht. Bis zum Frühjahr 2003 will der Bezirk nun das Gelände vermessen, um einen genauen Preis für dessen Erwerb zu ermitteln. Das Stadiongelände gehört zwar dem Bezirk Treptow/Köpenick, aber „ohne das Einverständnis anderer Behörden, zum Beispiel der Zustimmung des Finanzsenators, ist da nichts zu machen“, sagt Stahr. Ob der Senat das Stadion für einen Euro herausrückt, ist fraglich. Sportsenator Klaus Böger stellt klar, dass das Land Berlin in seiner jetzigen finanziellen Lage nichts zu verschenken hat. „Gegenwärtig sehe ich keine Möglichkeit für öffentliche Hilfen“, sagt Böger.

Heiner Bertram jedenfalls liegen bereits zwei fertige Konzepte für den Stadionneubau vor. Er verspricht: „Das Stadion wird so aussehen, dass es an die alte Industriestruktur in Oberschöneweide erinnert.“

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