Sport : Ein Stadion von Kaisers Gnaden

Franz Beckenbauer, so lautet ein Bonmot, ist der einzige Mensch, der bei der Bundestagswahl in Bayern ein Direktmandat für die PDS gewinnen würde. Franz Beckenbauer, um es anders zu sagen, kann einfach alles. Er konnte Fußball spielen wie kaum ein anderer Deutscher, er konnte die deutschen Rumpelfüßler 1990 zum WM-Titel führen, das Turnier 2006 nach Deutschland holen, und er kann auch in hohem Alter noch Kinder zeugen. Lichtgestalt nennen ihn die Medien. Als wäre er kein profaner Kaiser mehr, sondern längst ein Heiliger.

Der heilige Franz ist auch davon überzeugt, dass er München ein neues Stadion schenken kann. Jedenfalls ist er einer der eifrigsten Fürsprecher für den Neubau im Münchner Norden, wo es außer einer Autobahnausfahrt, einem Park-and-Ride-Parkplatz und einem Müllberg bisher wenig gibt. Beckenbauer übt sich dabei in seiner bewährten Strategie, einer Mischung aus Drohen und Schmeicheln. Das Stadion schaffe Arbeitsplätze, löse Millioneninvestionen aus, das übliche Repertoire eben. Aber wehe, das Bürgerbegehren kippt den Neubau - dann, so der zornige Franz, gebe es halt keine WM in München, und der FC Bayern werde sich überlegen, ob er München weiter im Namen trage. Er könnte ja auch Bayern Augsburg heißen oder Bayern Rosenheim.

Man muss Beckenbauers Drohung in etwa so ernst nehmen wie die Aussage Werner Lorants, er werde auswandern, sollten in Deutschland SPD und Grüne an die Macht kommen. Nach drei Jahren Rot-Grün ist Lorant immer noch da, wenn auch nicht mehr als Trainer bei 1860. Beckenbauer wird also Beckenbauer bleiben, selbst wenn die Münchner sich beim Bürgerbegehren dem kaiserlichen Willen widersetzen sollten. Für ihn wäre es allerdings eine ganz neue Erfahrung, dass das Leben auch Niederlagen bereit hält. Ausgeschlossen ist dies nicht, obwohl Beckenbauer eine große Koalition an seiner Seite weiß: den Ministerpräsidenten von der CSU ebenso wie den Oberbürgermeister von der SPD, dazu Leo Kirch, der Fröttmaning als Standort für das Medienzentrum der WM 2006 auserkoren hat. Vielleicht ist es gerade diese geballte Macht, die bei manchem Bürger den Wunsch auslöst, das Establishment ein bisschen zu ärgern.

Wer kann schon von sich behaupten, dass er dem Kaiser eins ausgewischt hat?

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