Sport : Ein starker Mittelstürmer zu viel

Roy Makaay sitzt wohl wieder auf der Bank

Stefan Hermanns

Rotterdam - Zur Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in Deutschland bietet der Königlich-Niederländische Fußballverband auf seiner Internetseite einen Deutschkurs speziell für Oranjefans an. Neben praktischen Tipps für das tägliche Überleben enthält der Sprachkurs auch wichtige Fachbegriffe, zum Beispiel die deutsche Übersetzung des holländischen Ausdrucks „schwalbe“ – Schwalbe. Das Lehnwort aus dem Deutschen illustriert ganz gut, woran die Niederländer denken, wenn es um das Offensivspiel ihres großen Rivalen von nebenan geht.

Umgekehrt fällt die Wertschätzung sehr viel größer aus. Die Holländer werden von den Deutschen geradezu beneidet um ihr Offensivpotenzial. „Es ist schon bewundernswert, wenn man zwei Mittelstürmer hat wie Roy Makaay und Ruud van Nistelrooy – und einen auf die Bank setzen muss“, sagt Bundestrainer Jürgen Klinsmann vor dem Duell in Rotterdam. Wie fast immer wird der Münchner Makaay wohl auch heute Abend höchstens als Einwechselspieler zum Einsatz kommen. Was in Deutschland nur schwer zu begreifen ist, wird in Holland als nahezu selbstverständlich erachtet. Nur Huub Stevens, inzwischen Trainer bei Roda Kerkrade, würde Makaay heute von Beginn an aufstellen: „Weil die Deutschen Angst vor ihm haben.“

Zumindest halten die Deutschen Makaay nach fünf Toren aus den ersten beiden Bundesligaspielen für einen außergewöhnlich gefährlichen Stürmer. Aber das ist Ruud van Nistelrooy von Manchester United eben auch, weshalb Hollands Bondscoach Marco van Basten ein Problem hat, mit dem sich Jürgen Klinsmann auch gerne herumplagen würde.

Immer noch gibt es zwischen dem deutschen und dem holländischen Sturm erhebliche Qualitätsunterschiede. „Makaay und van Nistelrooy – das sind Namen, die sich international in den Köpfen festgesetzt haben“, sagt der Bundestrainer. „Auf dieses Niveau wollen unsere Stürmer erst noch kommen.“ Dank Klinsmann konnten die Deutschen den Abstand seit der EM im vorigen Jahr ein wenig verringern. Die neue offensive Spielweise eröffnet den Angreifern sehr viel mehr Torchancen, als das früher der Fall war. Kevin Kuranyi zum Beispiel hat, seitdem Klinsmann Bundestrainer ist, in 14 Länderspielen zehn Tore erzielt. Unter Rudi Völler war er in 15 Spielen gerade vier Mal erfolgreich.

In der aktuellen Aufregung um Roy Makaay ist fast ein wenig untergegangen, dass auch die beiden deutschen Nationalstürmer Kuranyi (zwei Tore) und Miroslav Klose (drei Tore) erfolgreich in die Saison gestartet sind. Beim Bremer Klose macht sich vor allem die ausgedehnte Sommerpause positiv bemerkbar: „Ich habe den Vorteil, dass ich körperlich weiter bin als die Spieler, die beim Confed-Cup dabei waren.“

Bis zur WM bleiben den deutschen Stürmern zehn Monate. „Wer weiß, wie schnell sie aufschließen können“, sagt Klinsmann, der seinen Spielern rät, sich zur Weiterbildung an den Stars ihres Fachs zu orientieren: „Eure Messlatte ist nicht die Bundesliga. Schaut euch die Topstars an!“ Leute wie van Nistelrooy. Dabei hat Miroslav Klose eine Erfahrung gemacht, die dem zwei Jahre älteren Holländer immer noch fehlt. Anders als Klose hat Ruud van Nistelrooy noch nie bei einer Weltmeisterschaft gespielt.

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