Sport : Ein Stil für alle

Bei der Hockey-WM zeigt sich, dass die Weltspitze breiter geworden ist

Stefan Hermanns[Mönchengladbach]

Vermutlich handelt es sich beim Internationalen Hockey-Verband FIH doch nicht um eine ausschließlich wohltätige Organisation. Man hätte das ja fast annehmen können, weil die FIH dem Veranstalter der Hockey-Weltmeisterschaft in Mönchengladbach ein schönes, fettes Turnier mit vielen Spielen beschert hat, wo doch eigentlich auch drei Begegnungen genügt hätten, um den Weltmeister zu ermitteln. Die Vorrunde hätte man sich sparen können, weil von Anfang an klar war, dass Holland, Deutschland, Spanien und Australien das Halbfinale erreichen würden. Und jetzt das. „Ich habe bisher keinen klaren Turnierfavoriten gesehen“, sagt Deutschlands Torhüter Uli Bubolz nach der ersten Hälfte des Turniers. „Aber das haben wir so erwartet.“

Der Experte fühlt sich bestätigt, die Laien sind ein wenig irritiert. Da besiegt Spanien den großen Favoriten Australien, spielt aber nur unentschieden gegen die Argentinier, die wiederum 0:4 gegen Australien unterliegen. Die WM zeichnet sich bisher durch große Ausgeglichenheit aus. In den ersten 22 Spielen gab es nur drei klare Siege mit drei oder mehr Toren Unterschied, und schon nach dem knappen Auftaktsieg seiner Mannschaft gegen Indien hat Bundestrainer Bernhard Peters prophezeit, dass es „in jedem Spiel einen ganz massiven Fight um die Punkte“ geben werde. So ist es auch gekommen. Allerdings zweifelt Peters, ob es sich bereits um einen stabilen Trend handelt, der tatsächlich einen vermeintlichen Außenseiter zum Titel trägt. „Ich habe bei anderen Turnieren schon Mannschaften erlebt, die am Anfang richtig aufgedreht haben, am Ende aber ganz schön zusammengefallen sind“, sagt er.

Vielleicht trifft es diesmal die Südkoreaner, die nach ihrem Auftaktsieg gegen die Holländer etwas schwächeln. Gegen Südafrika, den vermeintlich leichtesten Gegner aus der Gruppe B, mussten sie mit dem 2:2 sogar noch glücklich sein. Auch das hat Bernhard Peters nur bedingt überrascht. „Ich weiß, dass Südafrika ein paar herausragende Kräfte hat“, sagt der Bundestrainer über den nächsten Gegner der Deutschen (heute, 18 Uhr, live auf Eurosport).

Die besten zehn Mannschaften der Welt unterscheiden sich nur in Nuancen voneinander. Es gibt zwar immer noch nationale Hockeystile, doch in fast allen lassen sich auch artfremde Elemente entdecken. Die Spanier zum Beispiel profitieren von einer spanisch-holländischen Hybridform. Ihr holländischer Trainer Maurits Hendriks hat den verspielten Spaniern die Kunst des aggressiven Pressings vermittelt. 2005 wurde das Team zum ersten Mal seit 21 Jahren wieder Europameister. Auch die Pakistani haben – anders als die Inder – auf die Moderne reagiert und aus dem Mittelmaß zurückgefunden. „Sie sind sehr viel besser in der Defensive als vor zehn Jahren“, sagt Peters.

Am Ende entscheiden auch Kleinigkeiten. Spaniens Coach Hendriks berichtete nach dem Auftaktsieg gegen Australien von einem österlichen Erweckungserlebnis. Beim Eröffnungsturnier der WM- Arena zu Ostern hatten seine Spieler festgestellt, dass der Bodenbelag ihr schnelles Spiel begünstigt. Die Holländer hatten die Einladung zu diesem Turnier ebenso abgelehnt wie die zu mehreren Testspielen in Mönchengladbach. Bei der WM spielen sie jetzt zum ersten Mal in der Arena. Taeke Taekema, einer der besten Strafeckenschützen der Welt, klagte nach seinen häufigen Fehlversuchen, dass er und das Feld noch keine Freunde seien. Aber wie soll man auch Freundschaft schließen, wenn man sich gar nicht kennt?

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