Sport : Ein Stoiker verliert seine Gewissheiten

Ex-Hertha-Coach Funkel wird in Bochum entlassen

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Abgang im Zorn. Funkel wird sich nicht mehr für den VfL Bochum aufregen. Foto: dapd
Abgang im Zorn. Funkel wird sich nicht mehr für den VfL Bochum aufregen. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Es war lange so etwas wie eine feststehende Fußballweisheit: Sowohl dem VfL Bochum als auch Friedhelm Funkel gelingt nach einem Abstieg stets die direkte Bundesliga-Rückkehr. Im Mai riss diese Serie für beide, man verlor gegen Mönchengladbach in der Relegation und vielleicht auch das unbedingte Zutrauen in die eigenen Aufstiegskünste. Vor allem beim VfL ließ nach einem Sieg aus den ersten sieben Zweitligaspielen und Platz 17 das Vertrauen in Funkel nach. Am Mittwoch trennte sich der Klub von dem 57 Jahre alten Stoiker auf der Trainerbank. .

Für Funkel war es 16 Monate nach dem Bundesliga-Abstieg mit Hertha BSC und vier Monate nach dem verpassten Aufstieg mit dem VfL der dritte Tiefschlag. „Ich bin total enttäuscht. Ich habe an die Aussagen des Vereins geglaubt, dass ich mindestens noch bei den nächsten beiden Heimspielen die Mannschaft betreuen dürfte“, sagte er.

Im Sommer noch sah Funkel die Qualität der Mannschaft im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Man wolle als Tabellenerster aufsteigen, scherzte er ungewohnt offensiv auf einer Trainertagung vor Saisonbeginn. Doch nach zuletzt vier Niederlagen in Folge, die in einem 1:4 Zuhause gegen Fürth und einem 1:2 am Montag bei Aufsteiger Dresden gipfelten, musste Funkel zugeben, dass seine Spieler derzeit „die einfachsten Dinge kaum hinbekommen“. Der Glaube an eine ähnliche Wende wie in der Vorsaison schwand. 2010/11 war Bochum mit sieben Niederlagen in 13 Spielen in die Saison gestartet, schaffte in der Rückrunde aber noch den Sprung auf Platz drei. Eine solche Wende trauten die Verantwortlichen Funkel nicht mehr zu.

„Der Schritt ist uns nicht leicht gefallen, zumal das Verhältnis zwischen Cheftrainer und Mannschaft intakt ist. Durch Veränderungen im Trainerteam wollen wir jedoch neue Impulse setzen“, begründete Manager Jens Todt die Trennung. Das Verhältnis zwischen Funkel und dem 40-Jährigen, der im Juni beim VfL angeheuert hatte, darf wohl als nicht ganz unproblematisch gewertet werden. Auf Fragen, ob der Managerwechsel ausschlaggebend für die Trennung gewesen sei, wollte sich Funkel nicht äußern.

Nun sagt der Geschasste: „Ich bin so enttäuscht nach diesem Schritt, wie ich es noch nie war als Trainer.“ Frühere Trennungen in Uerdingen, Frankfurt oder Berlin, wo er Hertha 2009/10 in acht Monaten nicht vom letzten Tabellenplatz lösen konnte und abstieg, habe er nachvollziehen können. Diese Entlassung nicht. Bis zu einer Präsidiumssitzung am Dienstagabend hatte es noch so ausgesehen, dass er weitere Bewährungschancen erhalten würde. Doch es folgte das schnelle Aus.

Zusammen mit Peter Hyballa, der am Dienstag beim Zweitliga-Schlusslicht Aachen freigestellt wurde, sind es die ersten Trainerentlassungen in den beiden Bundesligen in dieser Saison. Der 35-jährige Hyballa wird nun als Funkels Nachfolger in Bochum gehandelt. Andere Kandidaten sollen Peter Neururer, Thomas von Heesen und Hannovers U-23-Coach Andreas Bergmann sein. Ein Engagement im trainerlosen Aachen tat der Rheinländer Funkel am Mittwoch noch ab. Er räumte erst einmal seinen Schreibtisch in Bochum aus.(mit dpa, dapd)

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