Sport : Ein stolzer Sieger

Hartmut Scherzer

Schneechaos auf den deutschen Autobahnen und dem Frankfurter Flughafen konnten Erik Zabel auf seinem Weg nach Baden-Baden nicht aufhalten. Wie auch: Wer mit zwei Beinen auf einem Pinarello-Rennrad den Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher in einem 800 PS starken Ferrari bei der Wahl zum Sportler des Jahres abhängt, den können auch Schneestürme und Eisbahnen nicht stoppen. Nachdem schon die Zuschauer bei der "Viktoria-Wahl" der ARD den Weltranglistenersten der Radprofis zur Nummer eins unter den deutschen Sportlern gemacht hatten, wählten nun die deutschen Sport-Journalisten Erik Zabel in der traditionsreichsten Abstimmung (seit 1947) zum "Sportler des Jahres 2001". Der 31-jährige Zabel ist nach Rudi Altig (1966), Gregor Braun (1976), Dietrich Thurau (1977) und Jan Ullrich (1997) der fünfte Radrennfahrer, der mit dieser Auszeichnung für Leistung und Auftreten geehrt wurde.

Die Zielgerade zur Proklamation am Samstagabend im Kurhaus von Baden-Baden war freilich höchst beschwerlich. Erik Zabel und seine Frau Cordula hatten sich für den Vorabend auf dem Rhein-Main-Flughafen verabredet, nachdem der Radstar unter strengster Geheimhaltung kurzfristig über seinen Wahlsieg informiert worden war. Zabel hatte noch bis Freitag auf Mallorca trainiert, täglich 200 Kilometer zusammen mit Jan Schaffrath. Zabels Eltern wurden aus Berlin als Babysitter für den siebenjährigen Rik bestellt. Doch aus der Frankfurter Verabredung am Abend mit Weiterfahrt nach Baden-Baden wurde ein um sechs Stunden verspätetes Treffen des Ehepaares in den Morgenstunden. Zabels Maschine aus Palma landete erst gegen drei Uhr morgens, seine Frau fuhr mit dem Wagen erst knapp zwei Stunden später am Treffpunkt vor. Acht Stunden hatte sie im Schneetreiben für die 250 Kilometer von Unna nach Frankfurt gebraucht.

Zabels Wahl ist die Anerkennung nicht nur für einen unermüdlichen Kämpfer, populären Radprofi und sympathischen Seriensieger, der immer gewinnen will, wenn er sich aufs Rennrad setzt, sondern auch Ausdruck für sein lockeres, ungezwungenes, vorbildliches Auftreten. Dreißig Siege feierte der ehrgeizige Vielfahrer in einer fast elf Monate langen Saison, seiner erfolgreichsten. Bei der Tour de France stellte der Berliner einen Rekord auf: zum sechsten Mal in Folge gewann er das Grüne Trikot des Punktbesten und Sprintschnellsten.

Dass er über diese Auszeichnung mächtig stolz ist, war Erik Zabel gestern Abend anzusehen. Und der Radstar kam persönlich, um seinen Preis entgegenzunehmen. Im Gegensatz zu so vielen anderen hochbezahlten Stars wie Boris Becker, Steffi Graf oder Michael Schumacher, die die Sportlergala trotz ihres Sieges in der Vergangenheit geschwänzt hatten, hat Erik Zabel alles unternommen, um sich seinen Fans zu zeigen.

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