Sport : Ein Stratege aus Oslo

Warum Kjetil Rekdal als neuer Hertha-Trainer gehandelt wird

André Görke,Ole Kristian Ström

Von André Görke

und Ole Kristian Ström

Oslo/Berlin. Kjetil Rekdal ist schwer zu kriegen. Sein Handy ist aus, die Mailbox ist voll. Vornehmlich kommen die Anfragen aus Berlin, wo Hertha BSC vielleicht sehr bald einen Nachfolger für Trainer Huub Stevens braucht. Manager Dieter Hoeneß hat bestätigt, es sei fahrlässig, nicht nach Alternativen zu suchen. Der Norweger Kjetil Rekdal ist eine Alternative. Er kennt Hertha, spricht gut Deutsch, und: Sein Vertrag bei Valerenga Oslo läuft am kommenden Freitag aus.

„Momentan ist nur Valerenga ein Thema für mich. Ich brauche meine ganze Energie“, sagt Rekdal. Obwohl Valerenga in die zweite Uefa-Cup-Runde einzog, ist der Verein noch nicht vor dem Abstieg gerettet. Das vergangene Spiel gegen Tromsö hat Valerenga gewonnen, mit Kjetil Rekdal als Libero und Torschützen. Rekdal ist nämlich Spielertrainer.

Kjetil Rekdal, 34, spielte von 1997 bis 2000 bei Hertha. Hoeneß bescheinigte ihm damals, dass er „ein Spiel lenken“ könne. Und Trainer Jürgen Röber hatte ihn zum Kapitän gemacht. Nach mehreren Verletzungen wurde er von Röber nicht mehr berücksichtigt, es kam zur Trennung. Rekdal ging nach Oslo, erst als Spieler, später wurde er Spielertrainer. Mit dem Klub stieg er erst ab, dann wieder auf und wurde 2002 Pokalsieger.

Im Spiel gegen Tromsö vor wenigen Tagen hat Rekdal selbst ein Tor geschossen – per Strafstoß. Eiskalt, wie im Juni 1998 gegen Brasilien bei der WM in Frankreich. Damals traf Rekdal in der Schlussminute zum 2:1. Der Sieg von Marseille wird als die größte Leistung im norwegischen Fußball seit dem Zweiten Weltkrieg angesehen. Und Rekdal gilt als einer der Helden des norwegischen Sports. Helden werden gefordert, auch im Alltag. Bei Valerenga hatte Rekdal auf dem Platz zuletzt öfter ausgeholfen, als ihm lieb war. „Ich habe in dieser Saison viel mehr gespielt, als ich das geplant hatte“, sagt Rekdal. „Das wird mir nicht mehr passieren.“

Rekdals Vertrag beim Osloer Klub läuft Ende des Monats aus. Der Klub würde mit ihm gern verlängern, aber es gibt finanzielle Probleme. John Fredriksen, ein Reeder und der reichste Mann des Landes, mag den Verein nicht länger finanziell unterstützen. Rekdal sucht einen neuen Job – und er kann aus Norwegen gute Empfehlungen vorweisen. „Ich habe sein Training besucht, und er hat einen anderen Fokus als die Trainer hier“, sagt Per-Mathias Högmo, der Trainer der norwegischen U21-Nationalmannschaft. „Wie gut er als Stratege ist, war im Spiel gegen Tromsö zu sehen. Dieser Sieg war ein taktischer Erfolg für Rekdal“, sagt Högmo.

Michel Mazingu-Dinzey kennt Rekdal als Trainer und Spieler. Vor zwei Jahren hatte Rekdal ihn und Steffen Karl nach Oslo geholt. Die drei hatten zuvor bei Hertha BSC gespielt. Rekdal versuche nicht erst den Gegner auszuschalten, wie es bei Stevens der Fall sei. „Er will jedem Gegner das eigene Spiel diktieren“, sagt Dinzey. „Wenn Rekdal in der Kabine redet, dann weißt du, was der Gegner kann. Aber du weißt hinterher auch, dass du besser bist.“ Rekdals Trainingsprogramm sei sehr ausgewogen. Ein Beispiel: Eckbälle schießen – und zwar mit dem schwachen Fuß. Wer direkt trifft, sammelt Punkte, ab einer bestimmten Punktzahl darf man in die Kabine. „Da war jede Trainingseinheit ein Riesenspaß“, sagt Dinzey.

Spaß gab es bei Hertha BSC zuletzt selten.

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