Sport : Ein streitbares Angebot

Floyd Landis soll gegen Armstrong aussagen – für eine mildere Dopingsperre

Sebastian Moll[New York]

Viel Neues hatte der gedopte Tour de France-Gewinner Floyd Landis zum Beginn seiner Anhörungen durch die amerikanische Anti-Doping-Agentur USADA nicht zu sagen. Das französische Labor, das seine Proben untersucht hatte, sei korrupt und inkompetent; gegen ihn und seine Kollegen werde eine Hexenjagd veranstaltet und das gesamte System der Dopingbekämpfung im Leistungssport trete die Grundrechte der Athleten mit Füßen, sagte Landis während einer Telefon-Pressekonferenz zum wiederholten Mal. Dass die Journalisten diese Litanei schon zum Überdruss kennen, war Landis allerdings wohl bewusst und so bot er ihnen ein wenigstens kleines Schmankerl, um ihnen seine Version schmackhaft zu machen: Die USADA, enthüllte Landis, habe ihm eine Kronzeugenregelung angeboten, wenn er gegen Lance Armstrong aussage.

Das Angebot, beim Verfahren in Kalifornien als Kronzeuge gegen seinen ehemaligen Chef aufzutreten, erzählte Landis, sei gleich zu Beginn des Verfahrens gegen ihn vom Generalsekretär der USADA, Travis Tygart, an Howard Jacobs, einen von Landis’ mittlerweile zahlreichen Rechtsanwälten, ergangen. Tygart habe Jacobs zugesichert, dass Landis die „geringstmögliche Strafe“ bekäme, wenn er gegen einen „Radfahrer, der noch größer“ als er selbst sei, aussage. Ein solch unmoralisches Ansinnen, führte Landis weiter aus, hätten er und sein Team jedoch keiner Reaktion für würdig befunden. „Es ist bestenfalls beleidigend“, sagte Landis. Und: „Es sagt alles über den Charakter dieser Leute.“ Die USADA weigerte sich indes, Landis’ Behauptung zu verifizieren. Nur wenn Landis ihn von der Pflicht befreie, laufende Verfahren nicht zu kommentieren, so der USADA-Generalsekretär Tygart, würde er etwas zu Landis’ „Unfug“ sagen. Landis-Sprecher Michael Hanson konterte, dass eine Befreiung der USADA von ihrer Schweigepflicht auch keinen Unterschied mehr ausmache, weil „nichts, was die USADA bisher von sich gegeben hat, auch nur entfernt mit der Wahrheit zu tun hat“.

Wenn man Landis und seiner Verteidigung glaubt, stecken die USADA, ihre Dachorganisation Wada, das Anti-Doping-Labor in Frankreich und überhaupt der gesamte organisierte Sport unter einer Decke. Das Ziel dieses Kartells sei es, prominente Sportler in Schauprozessen der Öffentlichkeit zum Fraß vorzuwerfen um damit ihre eigene Existenz zu rechtfertigen. Das französische Labor bei Paris habe mit „pseudo-wissenschaftlichen Methoden“ gearbeitet und seine Proben verpfuscht und überdies Landis Persönlichkeitsrechte verletzt, indem es Details seines Falles der Presse preisgegeben habe. Insider halten jedoch eine derartige Böswilligkeit der Institutionen, wie Landis sie konstruieren möchte, für unwahrscheinlich. Andreas Breidbach, langjähriger Mitarbeiter von Wilhelm Schänzer im Anti-Doping-Labor in Köln, sagt etwa: „Es wird den Labors immer unterstellt, sie seien hinter den Athleten her. Das stimmt nicht. Den Leuten in den Labors ist das doch egal.“ Die Verteidigungsstrategie von Landis hält Breidbach für aussichtslos. Landis’ Anwalt, Howard Jacobs, so Breidbach, habe schon in mehreren Fällen in den USA versucht mit der gleichen Argumentation gegen positive Dopingproben vorzugehen – stets ohne Erfolg.

Dem vorwiegend europäischen Radsportzirkus scheint das alles ohnehin egal zu sein. Die Tour de France hat schon jetzt Landis aus ihrer Siegerliste gestrichen. Egal, was in den nächsten zehn Tagen in Kalifornien passiert.

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