Sport : Ein Student als Manager

Christian Nohl übernimmt Rainer Lotschs Erbe bei 3B

Jörg Petrasch

Berlin - Christian Nohl hat ein ungewöhnliches Hobby. Während viele Kommilitonen in seinem Alter die Semesterferien eher nutzen, um auf Partys zu gehen und morgens auszuschlafen, übernimmt der 27 Jahre alte Wirtschaftsstudent lieber einen Verein. „Bis Mitte Oktober mache ich das neben dem Studium“, sagt Noel, „dann mal gucken.“ Dabei handelt es sich nicht um einen unbedeutenden Randbezirksverein. Sondern vielmehr um einen der erfolgreichsten Berliner Vereine überhaupt.

Nohl ist der Nachfolger von Rainer Lotsch. Seit der einstige Manager im Juli im Alter von 67 Jahren verstarb, kümmert sich Nohl um den ETTU-Pokal-Sieger und Vizemeister 3B Berlin. Wenn der Tischtennis-Bundesligist heute im ersten Heimspiel der Saison (14 Uhr, Anton- Saefkow-Halle) gegen die Frauen vom TTC Troisdorf antritt, hat der junge Berliner den größten Teil der Arbeit bereits hinter sich. „Mittlerweile habe ich etwa 75 Prozent abgearbeitet“, sagt der Sportdirektor. In der nächsten Woche soll Nohl zum Manager und Sportwart gewählt werden.

Der jüngste Bundesliga-Manager ist allerdings nicht wie ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert worden. „Ab dem 1. Juli sollte ich sowieso offizieller Ansprechpartner und Manager auf dem Papier werden“, sagt Nohl, der bereits seit zwei Jahren als designierter Nachfolger von Lotsch aufgebaut wurde. Zuvor absolvierte der Kreisliga-Spieler eine zweijährige Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann bei 3B. Danach bekam Nohl von Lotsch das Angebot, sich auf 400-Euro-Basis um die Buchhaltung und Organisation der Mannschaften zu kümmern. Bis heute arbeitet er als geringfügig Beschäftigter. Das soll sich aber mittelfristig ändern. „Der Verein plant, eine ganze Stelle daraus zu machen“, sagt Nohl. Auch Lotsch wusste, dass er wohl der letzte Ehrenamtliche auf dieser Position war.

Gerade zieht Nohl in ein größeres Büro um. Ein Erinnerungsfoto von Rainer Lotsch, das der unterlegene ETTU-Cup-Finalist TTC Fotprix Vic aus Spanien geschickt hat, soll im neuen Büro aufgehängt werden. Von dort aus kann Lotsch dann seinem Nachfolger über die Schulter schauen. „Ich versuche gerade, eine Struktur aufzubauen“, sagt Nohl. Der gelernte Kaufmann hat mittlerweile von Sponsoren einen Computer bekommen. „Rainer hatte ein eigenes System, er hat nie einen Computer benutzt, nur Ordner.“

Doch Rainer Lotsch wird so schnell nicht in Vergessenheit geraten. Heute wird er zum ersten Mal seit über 40 Jahren bei einem Heimspiel seines Vereins nicht anwesend sein. „Vor allem die Art und Weise, wie Lotsch immer auf und ab gegangen ist, wird fehlen“, sagt Nohl, „wenn ich das machen würde, wäre es nicht dasselbe.“ Er wird sich seine eigene Tradition schaffen müssen. Jörg Petrasch

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