• Ein Stück vom fetten Eier-Kuchen wollen Amerikas Wrestler - und bedrohen damit auch Berlin Thunder

Sport : Ein Stück vom fetten Eier-Kuchen wollen Amerikas Wrestler - und bedrohen damit auch Berlin Thunder

Stefanie Boewe

Die Macher der National Football League (NFL) haben reichlich Neider. Allein der Fernsehvertrag beschert der finanzstärksten Profisportliga der Welt innerhalb von acht Jahren 17,6 Milliarden US-Dollar. Das Spiel mit dem Ei verheißt klingelnde Kassen - da liegt es auf der Hand, dass alle paar Jahre wieder eine neue Liga versucht, vom fetten Eier-Kuchen ein Stück abzubeißen. Jetzt hat die Show-Ringer-Vereinigung World Wrestling Foundation (WWF) den Wettbewerb auf unbekanntem Terrain eröffnet - und ringt bereits nach wenigen Tagen um Glaubwürdigkeit.

Am 4. Februar gab WWF-Präsident Basil DeVito in New York die Gründung der XFL bekannt, die im Februar 2001 mit acht Teams den jeweils 12-wöchigen Spielbetrieb aufnehmen wird. Zweifler geben dem Neuling eine Lebenszeit von höchstens fünf Jahren. Aus finanziellen Gründen, aber auch, weil die US-Amerikaner es gewohnt sind, nur zu bestimmten Jahreszeiten bestimmte Sportarten zu unterstützen. Das Frühjahr ist für NHL-Eishockey und NBA-Basketball reserviert, im Sommer ist Baseball-Time, Football gehört in die Herbst- und Winterzeit.

Das Kürzel "XFL" der neuen Liga ist in seiner Bedeutung frei interpretierbar. Das X stehe für "exciting" (aufregend) und "exhilarating" (amüsant) meint DeVito, während der WWF-Vorsitzende Vince McMahon vor allem glaubt: "It will be extreme".

Extrem spannend wird vermutlich zumindest die Auseinandersetzung mit der etablierten NFL, die Markt und Einkünfte nicht teilen will. "Die NFL ist eine konservative und behäbige Behörde mit zu vielen Regularien", urteilt McMahon. "Wir wollen den krachenden Football zurückbringen." McMahon schwärmt vom authentischen Sport für harte Kerle. Liveübertragungen aus den Umkleiden schon vor dem Spiel, mit Fernsehmikrophonen verkabelte Head Coaches und Helmkameras sollen die Fans näher ans Spiel bringen - und sie überhaupt erst einmal anlocken. Denn ganz große Namen als Zugpferde kann sich die junge Liga nicht leisten, und sie will sich auch nicht als Endlager für abgetakelte Footballstars und ausrangierte Wrestler etablieren.

McMahon & Co setzen eher auf die jungen Talente, und da kollidiert die Neugründung mit den Zielen der sechs europäischen NFL-Babys wie Berlin Thunder. Denn warum sollten begabte Nachwuchsspieler noch nach Europa fliegen, wenn sie ebenso in Heimat und in ständiger Erreichbarkeit für die amerikanischen Talentspäher glänzen könnten? Dasselbe gilt für die Trainer. Obwohl die erste XFL-Spielzeit erst in einem guten Jahr startet, hat die neue Liga den Trainern der NFL Europe schon Angebote gemacht. Die XFL wird das Personalkarussell aufmischen, auf dem Feld und an der Seitenlinie.

Die NFL Europe weiß, was da auf sie zu kommen wird, und deswegen sagt Präsident Bill Peterson vorsichtshalber erst einmal gar nichts: "Kein Kommentar zur XFL." Ob die Europäer ebenso wie die Bosse in New York aus Ignoranz, Arroganz, Desinteresse oder auch aus Angst vor der Konkurrenz schweigen, bleibt reine Interpretation. So wie das "X" in XFL. Die Herren von der NFL empfinden es vermutlich als "exiguous" (dürftig) und "exasperating" (ärgerlich).

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