Sport : Ein Talent wird diszipliniert

Nach seiner Suspendierung will sich Eisbären-Stürmer Florian Busch jetzt zusammenreißen

Mathias Klappenbach

Berlin. Florian Busch will von dem Thema nichts mehr hören. „Seit vier Jahren wird behauptet, dass ich mein Talent vergeude“, sagt der junge Stürmer der Berliner Eisbären. Sein Trainer Pierre Pagé hatte den 19-jährigen Angreifer am Sonntag für die Partie gegen die Krefeld Pinguins aus dem Kader für die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) gestrichen, weil er am Tag zuvor in der Regionalliga eine lustlose Vorstellung gezeigt hatte. „Dieses Spiel hat mich krank gemacht, ich konnte nachts nicht schlafen“, sagte Pagé, der kein Verständnis für die fehlende Einstellung einiger junger Förderlizenzspieler wie Tobias Draxinger, Frank Hördler oder eben Busch hat.

Pagé hatte sich für seine öffentliche Kritik speziell Busch herausgepickt, weil er ihm von allen Nachwuchskräften die besten Chancen auf eine große Karriere gibt. „Busch hat das Talent, in der NHL zu spielen. Ob er aber am Ende in Rosenheim landet, liegt nur an ihm. Er braucht einen Tritt in den Hintern, weil er sich für einen Künstler hält“, sagt Pagé.

Am Tag danach gab sich der öffentlich Gescholtene geläutert. „Die Kritik ist gerechtfertigt. Weil ich in der DEL gut gespielt hatte, meinte ich halt, in der Regionalliga auf cool machen zu können“, sagt Busch. Er gibt zu, in der Regionalliga keine Motivation verspürt zu haben. Die herbe Kritik und die Suspendierung seien ein heilsamer Schock gewesen. Busch, der schon in seiner Zeit als Jugendspieler durch viel Talent und große Disziplinlosigkeit auffiel, will seine Grundeinstellung schon seit längerem geändert haben. „Ich arbeite nach dem Training immer noch freiwillig im Kraftraum. Ich weiß, dass man sich bei den Profis auch wie ein Profi verhalten muss.“

Busch kam, wie die anderen jungen Spieler auch, vor allem während der Verletzungsmisere in der ersten Phase der Saison zu langen Eiszeiten in der DEL. „Die Jungs haben uns da sehr geholfen“, sagt Trainer Pagé, der inzwischen wieder fast seinen kompletten Kader beisammen hat. Busch wurde in 43 der 48 bisherigen Partien eingesetzt, erzielte einen Treffer und gab zwölf Vorlagen. Keine schlechte Bilanz für einen Spieler, der gleichzeitig in der Regionalliga, den U-20- und U-19-Nationalmannschaften sowie in der DEL spielen muss.

Ob das reicht, um im Kader für die am 10. März beginnenden Play-offs zu stehen? Mit der richtigen Einstellung hat von den jungen Spielern Busch die besten Chancen, dabei zu sein. „Ich mache alles für die Play-offs“, sagt Busch, der nach seiner Streichung aus dem DEL-Kader gleich zweimal in der Regionalliga traf. „Und wenn ich etwas wirklich wollte, habe ich das noch immer geschafft.“

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