Sport : Ein Team für dich und mich

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Markus Huber, Wien, drückt

den Färöer ganz fest die Daumen

Einen Schal in den Landesfarben habe ich nicht, denn die gibt es in Wien nicht zu kaufen, und das ist wahrscheinlich das Traurigste an meiner Liebe zu den Färöern. Aber ansonsten – alles da, was zu einem echten HobbyFan gehört: Ich weiß, wo die Inseln liegen (das ist schon mehr, als der durchschnittliche Deutsche weiß), ich kenne ein paar ihrer Spieler namentlich (mittlerweile fast so viele wie von meiner eigenen Nationalmannschaft, was aber keine Kunst ist, denn meine Nationalmannschaft ist seit Samstag nur noch per Staatsbürgerschaft mein Team), ich kenne ein paar ihrer Zivilberufe, und immer, wenn die Färöer ein Qualifikationsspiel für EM oder WM hinter sich gebracht haben, dann schaue ich mir auf dem Teletext die Ergebnisse an. Manche mögen das für schrullig erachten, aber ich befinde mich mit dieser Schrulle in der guten Gesellschaft von 7,8 Millionen Landsleuten. Denn die Färöer, das muss man so sagen, sind unser Team – spätestens seit jenem denkwürdigen Tag im September 1990 (Landskrona, Färöer – Österreich, 1:0 – sie verstehen?).

Seitdem liebe ich, lieben wir die Jungs, bis hinab zum alten Knudsen, dem Ersatztorwart mit der Zipfelmütze, der damals in Landskrona gegen die ganzen Polsters und Herzogs gehext hat wie ein Großer. Im Gegensatz zu meinen Teamkickern glauben die Färöer-Jungs nämlich nicht ernsthaft daran, Profis zu sein, und somit ist jedes gute Ergebnis, jeder Punkt, schon ein Erfolgserlebnis – für sie persönlich, und genauso natürlich für uns Fans. Und genau deshalb ist mein Ersatz-Team ein Quell steter Freude. Immerhin drei Punkte gab’s bei der EM-Quali für 2000. Sieben sogar – ein Unentschieden gegen Slowenien und zwei knappe Erfolge gegen Luxemburg – bei der WM-Quali 2002. Okay, bis dato ist in Sachen EM-Quali 2004 noch nicht viel los. Aber vielleicht ändert sich das heute.

Und so gesehen – können die Deutschen Fußballfans heute Abend gar nicht verlieren. Denn wenn Rudis Mannschaft verliert – können sie ja immer noch Färöer-Fans werden. Das hätte auch für mich etwas Gutes – der deutsche Fan-Artikelmarkt ist ja viel größer als der österreichische. Und vielleicht komme ich dann zu meinem Schal.

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